Der etwas andere Saison-Rückblick …

Wir haben Anfang Juli. Das Vorbereitungs-Geschirr bei einigen Vereinen klappert schon wieder, weil es mittlerweile gefühlt keine Sommerpause mehr gibt.

Trotzdem möchte ich ganz gerne noch einmal auf die vergangene Spielzeit, im Gedanken vertieft, zurückschauen.

Ich merke immer wieder, dass der Reiz dem Dorf-Fußball zu frönen, bei mir ungebrochen ist. Ligastatistisch gesehen, war ich mehr im Brandenburger Oberhaus unterwegs. Und man merkt dort schon, dass der Basis-Fußball mit seinem bodenständigen Drumherum kaum noch eine Rolle spielt. Dabei möchte ich keinem unterstellen bzw. über einen Kamm scheren, nicht gerne für den Verein zu spielen oder als passives Mitglied sich dort einzubringen. Man fühlt es nur irgendwie nicht so richtig. Trotzdem bin ich dort auch sehr gerne. Ganz anders, wenn man die Liga-Leiter herunterklettert und im Kreisfußball ankommt. Hier kennt man sich, hier respektiert man sich, hier hat die Bratwurst vom Grill und das kühle Blonde noch die ursprüngliche Bedeutung. Apropos Respekt. Da muss ich meine Gedanken noch einmal in die höchste Spielklasse lenken. Leider ist mir dort schon etwas verstärkt aufgefallen, dass manch verantwortlicher Übungsleiter und auch Mitwirkender im Betreuerstab in der Achtung voreinander, gerade gegenüber der Gegnerschaft und den Regelhütern, in der Kinderstube und auch der Trainerausbildung so einiges an Hinweisen überhört hat. Bei allem Verständnis finde ich schon, dass man normal miteinander umgehen kann, anstatt von Minute eins provokant aufzutreten. Dabei gab es in dieser Saison doch gar keinen Grund, den Kessel am Kochen zu halten. Besonders im Aufstiegsrennen, weil ja keiner in die Oberliga wollte. Ich staune nur manchmal, was sich da so Vereinsführungen personell für Baustellen aufladen und damit die berühmte eigene Außendarstellung hausgemacht ins Negative rücken. Schlussendlich geht mich das nichts an. Stimmt. Ich jedenfalls, würde bei einer Verpflichtung immer den Menschen vor die Qualität setzten. Und dazu gehört das ganze Paket, was das Auftreten und Händeln von kniffligen Situationen betrifft, auf und neben dem Platz, davor und danach.

Zum Thema „Freude am Fußball“ hatte ich vor kurzem eine sehr interessante Unterhaltung. Mein Gesprächspartner galt für mich, ich nehme an, auch bei vielen anderen als eines der größten Talente im Barnimer Fußball. Seinen Namen werde ich hier bewusst nicht nennen, weil er es bestimmt nicht gutheißen würde und dieser Dialog für mich schlussendlich ein Gedankenanstoß war. „Fußballspielen macht einfach keinen Spaß mehr“, so seine Eingangsaussage, die mich erst einmal nur oberflächlich abholte. „Damit meine ich aber nicht, den Sport an sich, sondern den eigentlichen Fußball, wie ich ihn in meiner Zeit als Kind oder Jugendlicher und auch dem Einstieg in den Herrenbereich erlebt habe.“ Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass er endlich einen in mir gefunden hatte, bei dem er sein gescholtenes Kicker-Herz ausschütten konnte. Fußballerisch austoben, positive Dinge ausprobieren und erfolgreich ins Ziel bringen, war das, was ihn in unserem Gespräch ein Leuchten in die Augen trieb. Alles Dinge, die in den heutzutage zelebrierten taktischen Zwängen nur noch sehr bedingt möglich sind. Neben Verantwortlichen, die ihn einfach nicht mehr machen ließen, gesellten sich Verletzungen und Krankheiten hinzu, welchen den Glanz früherer Zeiten zum endgültigen Abgesang degradierten. Es tat und tut mir schon leid, dass der Junge im besten Fußballer-Alter eine längere Pause hinlegen möchte. Und meine Lebenserfahrung sagt mir in diesem Fall, dass dies der schleichende Abschied aus dem aktiven Rasenballsport sein wird.

Ist diese kleine Geschichte nicht eine Blau-Pause für den deutschen Fußball im Allgemeinen? Ich denke schon. Mir ist dieses Gespräch sehr nahe gegangen, weil ich den Spieler nun schon über zehn Jahre kenne und auch weiß, woher er kommt, was er kann und wofür er steht. Und ich sehe in seiner Entwicklung, was Karrieren, die dem Straßenfußball entsprangen, heute für eine starke Bedeutung für unseren geliebten Fußballsport haben könnten. Wenn da nicht das Wort „Wenn“ wäre.

Ansonsten war die vergangene Spielzeit für mich eine Freude und bei meinen Besuchen bis runter in die 1. Kreisklasse eine Ehre dabei gewesen zu sein und davon berichtet zu haben. Tolle Gespräche, tolle Menschen, das ist das Futter, aus dem ich meine Motivation schöpfe. Und dass ganz nebenbei auch noch Fußball gespielt wird und mir dabei die Qualität vollkommen „Hupe“ ist, macht das Ganze irgendwie zur Sucht.

Jetzt genieße ich die Zeit, denn ich muss mich für die neue Saison nicht vorbereiten. Trotzdem ist meine Vorfreude schon groß. Die Brandenburgliga sollte wieder spannend werden. Noch schöner wäre es, wenn sich von Anfang an alle auf die Fahne schreiben würden, die Oberliga ins Visier zu nehmen. Die Landesliga Nord sollte es endlich mal schaffen, aus dem Uninteressant-Image ins Rampenlicht zu kommen. Mit dem FSV Bernau, Aufsteiger Einheit Zepernick und einigen ambitionierten Teams scheint die Liga nun die Qualität zu haben, um dort auch zwingend mal vorbeizuschauen. Die Landesklasse Nord hat mit Ahrensfelde Zwee eine gute Truppe dazubekommen, was der in kommenden Saison ohne Übermacht auskommenden Spielklasse sicherlich mehr Attraktivität vermitteln durfte. Schlussendlich wünsche ich den Rot-Weißen aus Schönow in der kommenden Kreisoberliga-Spielzeit eine konstantere Leistungskurve als in den vergangenen Jahren. Dann sollte der Aufstieg (im ich weiß nicht wievielten Versuch) endlich möglich sein.

Allen anderen Barnimer Vertretungen wünsche ich maximale Erfolge und verletzungsfreie Spieltage und Trainingseinheiten.

Man sieht sich …  

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