Union Klosterfelde heißt der verdiente Sieger im Barnim-Derby. Wenn man diesen Satz und das nackte Ergebnis nüchtern betrachtet, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Partie eng und umkämpft daherkam. Union-Trainer Kevin Hetzel war im Nachgespräch sichtlich angefressen. „Es gibt nur drei Dinge, die mich heute positiv stimmen. Das Ergebnis, dass wir die Partie klar beherrscht und uns gute Möglichkeiten herausgearbeitet haben. Über das andere werden wir reden müssen“.

Dabei begann die Partie mit den Gästen als spielbestimmend und dem etwas griffigeren Team. Preussen hingegen, personell arg gebeutelt, versuchte schon am Spiel teilzunehmen und schaffte es auch, die Anfangsviertelstunde im Ganzen etwas offenzuhalten. Trotzdem schwebte über dem Eberswalder Auftritt Nervosität und Verunsicherung. Gerade im Spielaufbau wurde die Kugel zu schnell wieder hergeben bzw. landeten einige Eröffnungsbälle ohne Not im Aus. Klosterfelde hatte dann in der 10. Minute ein Mittel gefunden, um den Hausherren die Grenzen aufzuzeigen. Tempovorstoß über links außen bis zur Grundlinie, praktiziert von Georg Machut, mit folgender flacher Eingabe. Dort war Michel Sobek eingelaufen und beim Versuch abzuschließen, mit Preussens Keeper Eric Kretke zusammengestoßen (10.). Kretke musste behandelt werden und konnte erst einmal weitermachen. Doch so richtig erholte sich der Schlussmann nicht mehr und musste durch Leon Fiedler ersetzt werden (22.). Die Begegnung war nichts für Fußball-Ästheten, zur sehr regierte die Zerfahrenheit, weil auch bei den Gästen einiges an Fehlabspielen in der Offenbarung standen. Einer der seltenen Angriffe der Hausherren hätte das 1:0 bedeuten müssen. Christian Staatz hatte sich über rechts bis zur Grundlinie durchgearbeitet und auf seinen Mannschaftskapitän, Adrian Schedlinski, zurückgepasst. Der konnte sich die Kugel an der Strafraumgrenze in aller Ruhe zurechtlegen und auch überlegen, wo er den Ball unterbringen könnte. Schlussendlich nagelte er das Spielgerät, schon recht kläglich, einen Meter über die Querlatte ins Aus (33.). Da zeigten sich die Gäste, in Persona Georg Machut, praktisch im Gegenzug zielsicherer und vor allem abgeklärter. Mit seinem flachen Schuss am heraus eilenden Ersatzkeeper Leon Fiedler vorbei erzielte er mit dem 0:1 das Tor des Tages (34.). „Ich mache Leon keinen Vorwurf, dass er vielleicht nicht hätte herauskommen sollen. Er wurde aber ins kalte Wasser geworfen, hatte keine Möglichkeit sich richtig warmzumachen“, stellte sich Preussen-Trainer Torsten Maerz im Nachgespräch vor seinen Schützling. Klosterfelde blieb weiterhin in der Spielbestimmung und schaffte es in der Schlussviertelstunde des ersten Durchganges mächtig an einer höheren Halbzeitführung zu knabbern. „Wir müssen mit einer Drei-Tore-Führung in die Kabine gehen“, monierte Kevin Hetzel das magere Halbzeitergebnis und bezog sich dabei auf die guten Möglichkeiten durch Michel Sobek (38.) und durch Moritz Fedder (43.). Sobek scheiterte an Fiedler, der den Ball an den Pfosten lenkte und Fedder nahm zu genau Maß und blieb am Quergebälk hängen. In der Zwischenzeit hatte sich Preussen dann selbst noch personell reduziert. Ein geahndetes Foulspiel für die Eberswalder vor den Trainerbänken ließ Jakub Hilicki überreagieren und im Liegen versuchen nachzutreten. Die konsequente Quittung folgte mit dem Aussprechen des fälligen Feldverweises. Eine vollkommen unnötige Aktion mit dem oft genannten Bärendienst an seine Mannschaftskollegen (40.).
Die Gemengelage mit vorwärtsdrängenden Gästen und nun auch leidenschaftlich verteidigenden Preussen blieb unverändert. Dabei war es eine quälende Partie, in der sich Union schon fast aufrieb, aber noch einige Male zwingend vor der Fiedler-Kiste auftauchte und dann doch versagte. „Caro einfach“, mit Schnelligkeit über die Flügel, Zielgenauigkeit in den Anspielen und der Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, war die Kombination, mit der die Heimtruppe die meisten Probleme hatte. Doch davon machte Union viel zu selten Gebrauch, was in der Endabrechnung sicherlich auch positiv in die Waagschale gepasst hätte. Schlussendlich blieb nur der nüchterne Auswärtsdreier. „Wenn man ganz ehrlich ist, dann hat Eberswalde heute mit ihrem letzten Aufgebot keine Ligatauglichkeit auf den Platz gebracht. Und wir waren nicht in der Lage, dies für uns und unser Selbstvertrauen zu nutzen. Wir haben reichlich Möglichkeiten in kläglichster Weise vergeben. Die Voraussetzungen waren halt so, dass man hier wesentlich höher gewinnen muss. Das werden wir definitiv aufarbeiten“, so Kevin Hetzel in seiner Spielanalyse. Preussens Trainer Torsten Maerz sah Union schon als verdienten Sieger. „In der ersten Halbzeit waren wir viel zu zaghaft unterwegs. Mit dem Auftritt nach der Pause bin ich aber zufrieden. Wir haben leidenschaftlich gekämpft und dann irgendwie darauf gehofft noch den Lucky Punch zu setzen. Sicherlich ist die Personallage heute nicht besser geworden. Das werden noch schwere Wochen, aber aufgeben zählt für uns nicht.“
Eberswalde: Eric Kretke (22. Leon Fiedler) – Jannis Theodor, Adrian Schedlinksi (55. Paul Strunk), Julian Baumgarten, Lucas Groth (47. Jonas Wolff), Jacub Hilicki, Christian Staatz, Marcin Adam Wawrzyniak, Magomed Gayrbekov, Hannes Zucknick (Samer Babikir Adam Mohamad Ahmed), Patrick Kirsten (55. Niklas Bauschke)
Klosterfelde: Marten Schulz – Kevin Höpfner, Jean-Luca El Bani (65. Luis Bossard), Moritz Fedder (55. Hrachik Arajik Gevorgyan), Michel Sobek (65. Uthmann Mustapha), Tim Borchert, Georg Machut, Maximilian Boritzki, Luca-Rene Heinrich (82. Finn Ernemann), Vasile Soltan
Schiedsrichter: Jonas Marx (Für Schiedsrichter im Allgemeinen können Spiele wie dieses sehr unangenehm werden, weil ganz einfach nichts los ist und die Anforderungen fehlen. So passiert es einem Spielleiter auch mal, dass solch eine Partie für ihn „verloren“ gehen kann. Kleinste Fehler können einen Spielverlauf schwerwiegend und unverzeihlich beeinflussen und verändern. Davon wurde Jonas Marx mit seinen erfahrenen Kollegen aber verschont. Seine Leitung wirkte sehr souverän, bei voller Konzentration und Transparenz.)
SRA: Artwin Archut, Michael Wendorf
Zuschauer: 112























































































