KREISOBERLIGA, 30. Spieltag, BSV Rot-Weiß Schönow – FC Kremmen 6:1

„Zwölf Uhr mittags!“ Es war angerichtet auf der Schönower Sportanlage. Nachdem der Kreisoberliga-Meistertitel schon vor zwei Wochen gegen Bergfelde eingesackt wurde und dies als Kür zu bezeichnen war, stand nun die Pflicht auf dem Programm. Und diese erfüllten die Schönower Jungs mit Bravour und konnten unter dem Jubel der eigenen Fans nach Spielende den Pokal und die Glückwünsche vom Vorsitzenden des Fußballkreises, Michael Reichert und Spielleiter René Grysla, entgegennehmen. Doch damit nicht genug. Schönow konnte sich auch den Nimbus des fairsten Liga-Teams einheimsen. Ein Titel, der nicht genug honoriert werden kann. Gerade in Zeiten, wo auch auf Fußballplätzen, Ehrenhaftigkeit, Solidarität und Sportgeist als Tugenden immer mehr von der Bildfläche verschwinden, sollte viel mehr Aufmerksamkeit auf die Prämierung, so als Motivationsgrundlage, gelegt werden.

Doch vor der Siegerehrung waren noch neunzig Minuten, plus Nachspielzeit, zu absolvieren. Schiedsrichter Bastian Knuth hatte pünktlich angepfiffen und damit scheinbar dem Regen den Garaus gemacht. Unter dem mit zunehmender Dauer aufreißenden Himmel entwickelte sich eine durchaus interessante Partie. Man merkte den Aktiven aber schon an, dass bei der sicherlich vorhandener Brisanz, niemand mehr sich das ganz große Futter ausreißen wollte. „Wir wollten eine Reaktion auf die Niederlage aus der Vorwoche in Falkenthal zeigen und uns ordentlich aus der Liga verabschieden. Da mussten wir uns schon in die Partie reinarbeiten,“ hatte Schönows scheidender Trainer Hendrik Brösel im Nachgang den moralischen Aspekt für seine Spielstrategie erklärt. Denn es war in den Anfangsminuten eine Partie auf Augenhöhe, in der sehr Mittelfeld lastig agiert wurde und die Torhüter einen fast beschäftigungslosen frühen Nachmittag verlebten. Der erste Abschluss der Hausherren zappelte dann auch gleich im FC-Netz. Dabei zeigte Stefan Schulz eingehauchte Abstauber-Qualitäten, als er einen abgewehrten Ball unhaltbar in die Maschen drosch (11.). Kremmen hingegen, kam nach fünfzehn Minuten zur ersten Chance, welche aber nur in die Kategorie der Halbchancen passte. Dann war lange Flaute in und vor den Sechszehnern, weil keines der Teams es schaffte, die aufkommende Hektik im Mittelfeld und die vielen eigenen Ballverlusten zu unterbinden. Die Gäste unterbrachen als Erste diese Phase in der 29. Minute. Niclas Köpke wurde per Diagonalanspiel in halbrechter Position bedient, zog sehenswert und mit guter Knackigkeit ab, zwang Johannes Weinrich abzutauchen und auf Kosten eines Eckballs zu klären. Und diese Standardsituation hatte die nächste Gästemöglichkeit in der Präsentation, als Philipp Pfaff per Kopfball das linke Lattenkreuz traf. Kremmen kratzte am Ausgleich. Felix Kirstein, mit seinem Schuss aus der zweiten Reihe, der nur knapp das Quergebälk verfehlte, untermauerte den Verdienst-Gedanken nach einem Torerfolg (32.). Effizienz, als Code-Wort für die Hausherren, machte in der 34. Minute die Runde. Dazu gesellte sich Schnörkellosigkeit im Angriff über drei Stationen mit passgenauer Flanke auf Maximilian Bachnick, der per Kopf vollendete. Nur zwei Minuten später lag das 3:0 in der Luft. Mannschaftskapitän Peter Erdmann war ebenfalls mit der Stirn zur Stelle und hatte aber zu sehr maß genommen und das Spielgerät an die Latte gesetzt.  

Kremmen hatte sich spürbar für den zweiten Durchgang etwas vorgenommen. Die auffälligsten Akteure, Niclas Köpke, Patrick Breyer und Lukas Kraeft, nahmen die Kurbel in die Hand und versuchten schnellsten zum Anschluss zu kommen. Doch Schönow verteidigte souverän und ließ kaum etwas anbrennen. Unter einem Rot-Weißen Spielerspalier und mit viel Applaus bedacht, wurden Peter Erdmann und Stefan Schulz in der 50. Minute ausgewechselt. Erdmann hängt die Herren-Töppen altersgerecht an den Nagel und Schulz verlässt den Verein. Mit dem 3:0, erzielt durch Routinier Dennis Aerts, der nach einer Ecke vollkommen frei die Kugel aus Nahdistanz über die Linie drücken konnte, war die Partie gefühlt entschieden (64.). Für den Foulelfmeter, Bachnick wurde klar gehalten und zu Fall gebracht, hatte sich Eric Schneider den Ball zurechtgelegt. Doch die Hoffnung auf das vierte Tor erstickte der Schütze selbst, als er schwach schoss und Gästekeeper Mike Koger die Möglichkeit gab, zu parieren (68.). Niclas Köpke entzündete keine sechzig Sekunden später mit seiner Bude zum 3:1, erzielt aus Nahdistanz, moralisch ein kleines Feuerchen (69.). Doch Schönow antwortete und stellte nur fünf Minuten später die Machtverhältnisse wieder her. Dabei bestrafte Christoph Spitze die wiederholt schläfrige und nicht resolut agierende Gästeabwehr. Eine Flanke rutsche komplett durch den Fünfer zu Spitze, der seinerseits unorthodox einnetzte. Der Rest der Begegnung stand nun unter dem Motto „Die Zeit herunterspielen“. Dabei setzte der eingewechselte Pascal Bettge sein Können per Balleroberung und dem Willen sehr abgezockt ein Tor zu erzielen, mit dem 5:1 unter Beweis (78.). Maximilian Bachnick machte dann das halbe Dutzend voll und bedankte sich bei Vorlagengeber Bettge, der er ihm passgenau die Kugel serviert hatte (89.).

Das Schlusswort zur Partie und zum Saisonende hatte sich Schönows Trainer Hendrik Brösel reserviert, der sich zukünftig voll auf seine hauptamtliche Tätigkeit beim FSV Luckenwalde konzentrieren möchte und deshalb den Schönowern zukünftig nicht mehr zur Verfügung steht. „Das war heute schon ein Charaktertest und es hätte mich schon gewundert, wenn wir hier heute verloren hätten. Irgendwann haben wir dann unseren Fußball gespielt und hochverdient gewonnen. Vier Jahre, mit einer Saison Unterbrechung, waren für mich großartig. Ich habe allen zu danken, besonders unseren Nachwuchstrainern. Wir haben gemeinsam sehr viel erreicht, gerade in der Außendarstellung, dem Zuschaueraufkommen etc.. Dies alles war ein Prozess für den Aufstieg, zu dem in dieser Saison alle, aber auch alle, von der Vereinsführung bis zu den Fans, an einem Strang gezogen haben. Sicherlich war ich in den vergangenen Saisons schon traurig, dass wir nicht aufgestiegen sind. Schlussendlich passt es jetzt genau, auch mit meinem Abschied. Rot-Weiß ist ein toller und großartiger Verein und ich wünsche alles erdenklich Gute auf dem weiteren Weg.“                 

Schönow: Johannes Weinrich (46. Enrico Müller) – Lukas Lang (46. Hannes Krüger), Eric Schneider, Maximilian Bachnick, Dennis Aerts, Tobias Münchberg, Christoph Spitze, Stefan Schulz (50. Emurla Musa), Peter Erdmann (50. Steven Leps), Paul Paasche, Niklas Liebenthal (66. Pascal Bettge)

Kremmen: Mike Koger – Maximilian Rossow, Felix Kirstein, Tristan Kretschmer (77. Ric Nils Paulig), Patrick Breyer (56. Joey Naujokat), Niclas Köpke, Jacob Wolff (74. Tim Wittenberg), Lukas Kraeft, Marvin Prien, Robert Lemcke, Philipp Pfaff

Schiedsrichter: Bastian Knuth (Der junge Referee hatte die Begegnung gut im Griff. Zwar versuchte man ihm in einigen Situationen die Akzeptanz abzugraben, dem widerstand er aber mit persönlichen Strafen, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Trotzdem fehlte das gewisse Etwas, gerade im Verkaufen von Entscheidungen und im Erkennen von Spielsituationen und daraus folgenden Reaktionen. All dies ist aber dem noch spärlich gefüllten Erfahrungsschatz geschuldet, der mit zunehmender Karrierezeit immer größer werden sollte.)    

SRA 1: Christian Baar

SRA 2: Theo Wardau (Der zweite Assistent konnte einem schon ein wenig leidtun. Er hätte einige Male Unterstützung benötigt, weil er gerade bei Abseitssituationen und Vergehen in seinem Bereich sehr unsicher war und „lieber nichts“ anzeigte. Da wäre eine Ansetzung mit einem erfahreneren Schiedsrichter, der den Jungen hilfreich mitgenommen hätte, von Vorteil gewesen. Die Unterstützung konnte ihm sein Kollege Knuth nicht wirklich gewährleisten.)   

Zuschauer: 183

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