Während es sich in der Brandenburgliga an diesem Spieltag eigentlich nur im Tabellenkeller um ein Saisonfinale handelte, konnte man am Bernauer Wasserturm schon davon ausgehen, dass trotz der sommerlichen Temperaturen, sich niemand schonen wollte. Zu sehr sind beide Vertretungen dafür bekannt, egal welcher Spielstatus auf dem Programm stehen mag, alles auf den Platz zu bringen und dies auch zum Saisonausklang.

Und genau so begann die Begegnung. Intensität gepaart mit Leidenschaft und Spielwitz bestimmten die Anfangsphase. Leider schlichen sich aber auch Abspielfehler in die Mittelfeld lastige Kampfzone, was dem Prozedere ein wenig Hektik verlieh. Mit der ersten Gästemöglichkeit musste das Bedienpersonal der Anzeigetafel in der 10. Spielminute tätig werden. Ein schnell vorgetragener Angriff über drei, vier Spielstationen nutze Christopher Groll zur frühen Führung, als er kaltschnäuzig vollendete. Einheit musste sich nicht schütteln und kam sechzig Sekunden später zur Ausgleichsmöglichkeit. Die Flanke von der rechten Seite verwertete Fritz Söllner per Kopfball, welchen er knapp neben den Kasten setzte. Lucas Steinert zeigte sich mit dem nächsten Bernauer Vorstoß ebenfalls abschlußbereit. Doch sein Schuss aus zehn Metern blieb an einem Gästebein hängen (15.). Die Partie leistete sich trotz der Vehemenz zwischen den Strafräumen immer wieder Phasen ohne Torchancen. So beendete Frederick Fiebig die erste Durststrecke in der 21. Minute, als er die Kugel in den Lauf durchgesteckt bekam und aus achtzehn Metern abzog. Doch sein Geschoss war zu zentral und somit leichte Beute für Gästetorsteher Yannic Rudolph. Praktisch im Gegenzug probierte es Marcel Stutter nach einem Tempoangriff, doch sein strammer Versuch zappelte im rechten Außennetz der Hausherren. Besser machte es Einheits Frederick Fiebig, der unter Mithilfe schlampig verteidigender Gäste einen Flankenball in Stürmermanier im rechten unteren Eck versenkte (28.). Emotional wurde es auch. Adrian Evers räumte Dominic Schöps an der Mittellinie vor den Trainerbänken schon mehr als rustikal ab und organisierte damit eine Rudelbildung. Schlussendlich beruhigte der Referee mit einer Verwarnung für den Verursacher und knackigen Ansagen an die Mitwirkenden die Lage und die Gemüter (34.). In der Folge flachte die Partie merklich ab. Neutralisation schob sich in die Gemengelage und brachte nur noch eine erwähnenswerte Situation auf die Tagesordnung. TuS-Mannschaftskapitän Marcel Stutter hatte wiederholt einen seiner Einwürfe zur Flanke gemacht und von der rechten Seite seinen Kollegen Kevin Blumenthal bedient. Der ging volles Risiko und nahm die Kugel volley. Schlussendlich wurde der Mut nicht belohnt, weil der Ball weit über dem Kasten ins Aus ging (44.).
Zum Wiederanpfiff hatte sich Sachsenhausen spürbar etwas vorgenommen. Der Druck auf den von Steve Jarling gehüteten Kasten wurde immer größer. Zwar hatte Lucas Steinert mit seinem Schuss von der linken Strafraumgrenze noch ein Bernauer Rauchzeichen gesetzt (47.), die Flammen entzündete aber das Gästeteam. Dabei blieben die Sachsenhausener in stetigem Vorwärtsgang, dies auch sehr überzeugend, am Ende aber ohne groß Zählbares auf den Notizzettel zu bringen. In der 53. Minute war dann auch Schiedsrichter Frank Heinze gefordert, als er einen Freistoß verhängte und den Probanden in der Regelkunde auf die Sprünge helfen musste. Dass auch Unsportlichkeiten, wie Kritikäußerungen, zu Spielunterbrechungen führen können, war wohl nicht jedem bewusst gewesen. Sachsenhausen drückte weiter und war der Führung sehr nah gekommen. Moritz Reimann verlor das Eins-Gegen-Eins-Duell mit Steve Jarling (55.) und der gerade eingewechselte Erik Beutke hatte Pech, als er aus Nahdistanz abzog und Fritz Söllner per Rettungstat auf der Torlinie die Situation entschärfte (58.). Stattdessen fiel die Bernauer Führung aus dem Nichts. Sam-Rene Bartz, der die Einheit verlässt, machte sich selber ein Abschiedsgeschenk, als er einen langen Ball an den zur Halbzeit eingewechselten Gästekeeper Manuel-Pascal Behm vorbei zur Jubel-Arie einschob (70.). Der Glückseligkeit trotzte Goalgetter Andor Müller nur eine Minute später mit dem Ausgleich. Eine Flanke von der rechten Seite nutze Müller fast ohne Gegenwehr per Kopfball zur Wiederherstellung der bis dato vorherrschenden Machtverhältnisse. Die Folgezeit zeigte schon an, dass der konditionelle Verschleiß eingezogen war. Mit dem 3:2, erzielt durch Hakan Deniz, der auch die TSG verlässt, bestrafte Bernau wiederholt, die erfolglosen Gästebemühungen. Dabei zeigte sich Deniz ebenfalls sehr kaltschnäuzig, als er relativ frei das Spielgerät im Netz versenkte (85.). Doch der TuS hatte noch die eine Möglichkeit, wenigstens einigermaßen schadlos, den Heimweg antreten zu können. Eric Beutke hatte den Riesen auf den Schlappen. Doch sein Schuss nach einem Eckball von der rechten Seite war ebenfalls Pech behaftet. Viacheslav Veybert rettete per Fußabwehr den Heimerfolg, der mit klarer Effizienz glänzte und somit nicht unverdient daherkam.
Nico Tomaschewski, der Bernauer Coach, zog im Nachgang eine Saisonbilanz. „Wir haben unser Saisonziel erreicht, nicht abzusteigen. Unsere Saison war schon wie eine Achterbahnfahrt. Wir hatten gute und schlechte Auftritte. Trotzdem bin ich extrem stolz, mit einem einundzwanziger Kader so viel erreicht zu haben.“ Sein Gegenüber, Torsten Thiel, blickte neben seiner Spielanalyse ebenfalls auf die zurückliegende Spielzeit. „Die Partie heute war so ein wenig das Spiegelbild der Saison, besonders der Hinrunde. Wir haben so viele Möglichkeiten liegen lassen und verteidigen im Gegenzug nicht gut. Trotzdem können wir mit der Saison zufrieden sein. Der Vorstand wollte Platz eins bis fünf, das haben wir erreicht, obwohl vielleicht doch etwas mehr drin war und wir als Team das auch wollten. Mit der Vorsaison als Superlative war es irgendwo aber schon klar, dass es so nicht weitergehen konnte.“
Bernau: Steve Jarling – Lucas Müller, Paul Peschke, Fritz Söllner, Frederick Fiebig (90. Bohdan Postrygasz), Felix Glöckner, Viacheslav Veybert, Adrian Evers (65. Hakan Deniz), Paul Federlechner, Lucas Steinert (65. Sam-Rene Bartz), Tom Schneider
Sachsenhausen: Yannic Rudolph (46. Manuel-Pascal Behm) – Dennis Wulff, Moritz Reimann (64. Tom Siegler), Andor Müller, Dominic Schöps (72. Maurice Ulm), Christopher Groll (57. Bastian Moryson), Justin Komossa, Kevin Blumenthal, Leon Wigt, Martin Pilz, Marcel Stutter (57. Erik Beutke)
SR: Frank Heinze (Souveräne Leitung, welche aber doch ein paar Ecken und Kanten hatte. Gerade im zweiten Durchgang, als beide Parteien kritischer wurden, zeigte er bei den Gästen ein dickeres Fell und bei den Bernauern ein gewisse Dünnhäutigkeit. Ein Verhältnis, welches nicht wirklich passte und zusätzlich Unmut erzeugte.)
SRA: Carsten Fox, Maurice Schmidt
Zuschauer: 114


































































































