„Schneid abkaufen“ nennt man das in Schönow …

LANDESKLASSE NORD, 10. Spieltag, BSV Rot Weiß Schönow – Angermünder FC 4:0

„Kra Wums“, das hat gesessen! Der Staffelfavorit aus Angermünde strauchelt schmerzhaft, und dies ausgerechnet beim Aufsteiger Rot Weiß Schönow. Und wer von den 213 Zuschauern Sympathien für die Hausherren hegte, hatte sein Kommen definitiv nicht bereut und kam vollends auf seine Kosten. Während fast zeitgleich, in Luftlinie gemessen, einen Kilometer entfernt, auf der Sportanlage des FSV Bernau die Zepernicker im Landesligaduell das Ortsderby für sich entschieden, überzeugte Schönow im Spitzenspiel der Landesklasse Nord auf ganzer Linie und deklassierte die hochdotierten Uckermarker auch in der Höhe verdient.

Florian Gerber, der Trainer der Heimtruppe, war stolz, ordnete im Nachgespräch aber schon ein, dass dies nur eine Momentaufnahme darstellt. „Wir müssen demütig bleiben, aber auch ganz klar das Potenzial der Mannschaft erkennen. Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass wir uns nur selber schlagen können, wenn wir voll konzentriert sind und unser Ding durchziehen. Die Mannschaft ist jetzt an dem Punkt angekommen, wo man an sich glaubt und dann sind auch solche Ergebnisse, wie das heute, absolut möglich und auch verdient.“

Der Umzug der Hausherren von der Schönower Heimstätte ins Winterquartier auf den Kunstrasenplatz am Bernauer Wasserturm bürgte schon eine Unbekannte in sich. Und dies war die beengte Spielfläche und das Klarkommen damit. Doch die Bedenken wurden schnell wegradiert. Die Partie war intensiv, gallig, spannend und vor allem emotional inspiriert und zeigte schon an, welcher Druck auf dem Kessel herrschte. Schönow war hervorragend eingestellt und im Team hoch motiviert unterwegs. Angermünde hingegen schien schon etwas überrascht und sah sich von Beginn an intensiver Gegenwehr ausgesetzt. Das erste Rauchzeichen setzte Rot Weiß in der 3. Minute, nachdem man sich im Gästestrafraum festgesetzt hatte und Iven Eckardt zum Kopfball gekommen war, diesen aber nicht platziert genug auf das Tor brachte. Für Schiedsrichter Daniel Seyed Vousoghi war die Begegnung schon nach fünf Minuten zur Herausforderung geworden. Denn zu diesem Zeitpunkt regten sich nach einem knackigen Zweikampf die Gefühle, zwar noch in niedriger Kochstufe, aber schon mit Blickrichtung auf den noch folgenden Spielverlauf. Zum ersten Mal eingreifen musste RW-Torsteher Johannes Weinrich in der 7. Minute. Dort hatte sich Jonny Wendler in halblinker Strafraumposition freigespielt und abgezogen. Weinrich regierte sehenswert auf Kosten eines Gäste-Eckballs. Das Überspielen der Abwehrreihen mit langen Bällen war für beide Team als probates Mittel augenscheinlich. Doch darin war schon früh der Unterschied zwischen beiden Teams auszumachen. Angermündes Aufzug passte nicht, zu oft kamen die Anspiele nicht an. Schönow hingegen war in diesem Punkt einfach passgenauer und zielgerichteter unterwegs. So lag das Chancenplus eindeutig aufseiten der Hausherren, welches dann in der 18. Minute in die verdiente Belohnung kam. Drei Versuche erzeugten schlussendlich das viel umjubelte 1:0. Erst scheiterte Kenneth Wessel am gut reagierenden Samuel Matje. Dann bekam Angermünde die Situation nicht geklärt, in der der nächste Schuss noch abgewehrt werden konnte. Hannes Krüger setzte nach und erzielte den Treffer mit viel Willen aus Nahdistanz, als er die Kugel unhaltbar über die Linie drückte. Die Partie war qualitativ nicht in der obersten Kategorie einzuordnen. Dies war aber auch aufgrund der Platzgröße kaum zu erwarten. Trotzdem war es das Spitzenspiel und blieb es auch. Schönow stresste den vermeintlichen Favoriten und kam auch zu weiteren Hochkarätern. Wie der Möglichkeit durch Hannes Krüger, der angespielt sein Laufduell gewann, aber viel zu früh abschloss (23.). Auch sein Sturmkollege Iven Eckardt ließ die Angermünder Defensiv-Fraktion stark wanken. Einmal mit seinem Geschoss aus der zweiten Reihe (29.) und dann mit dem Kopfballversuch, den Matje reaktionsschnell entwertete (31.). In der Schlussphase Richtung Halbzeitpause flachte die Begegnung etwas ab, ohne aber den Spannungsbogen zu verlieren. Rot Weiß kratzte weiter an der Ergebnisverbesserung und konnte sich zum Halbzeitpfiff schon ärgern, den Pausentee nicht mit einer klareren Führung genießen zu können. Dabei glänzte Maximilian Bachnick als Vorlagengeber und Eckardt als Verwerter mit Flugkopfballeinlage, die wiederum in den Händen von Matje den Abschluss fand (41.). Auch die liegengelassene Doppelchance durch Bachnick und Eckardt in der Nachspielzeit sollte nicht unerwähnt bleiben. In letzter Not rettete die vielbeinige Gästeabwehr deren berühmten eigenen Hintern und ließ für den zweiten Durchgang noch einiges für den Favoriten erhoffen (45.+1).  

Angermünde kam motiviert aus der Kabine und übernahm mit zunehmender Dauer immer mehr die Spielkontrolle. Doch mehr als ein Strohfeuer wurde es nicht. Denn den Angriffen fehlte oft die Wucht, die Überzeugung und vor allem die Kaltschnäuzigkeit. Bei mehr Geradlinigkeit und dem Willen ein Tor erzielen zu wollen, wären sicherlich mehr als ein paar Halbchancen herausgesprungen. So tat sich Jonny Wendler in zwei Situationen hervor, in denen schlussendlich die Hausherren schon etwas von der Glücks-Torte abschneiden konnten und vom Ausgleich verschont blieben (46., 53.). Auch der Freistoß, getreten von Arthur Tabler aus achtzehn Metern, konnte den Hausherren nicht gänzlich gefährlich werden, da sich Johannes Weinrich auf der Hut zeigte und sicher parierte (60.). Als dann in der 65. Minute nach einem Zweikampf im Mittelfeld die Emotionen hochkochten und in der Rudelbildung Angermündes Kapitän Christopher Löhr handgreiflich wurde, schickte Referee Vousoghi den Übeltäter mit glatt rot vom Platz. Ein Bärendienst, wie sich in der Folge zeigen sollte. Schönow kam wieder besser in die Partie und auch in den Bereich der erarbeiteten Chancen, der Partie nun auch ergebnistechnisch den Stempel aufzudrücken. So belohnte sich Iven Eckardt für seine engagierte Leistung, als er nachsetzte und das Spielgerät mit viel Energie in die Maschen jagte, nachdem der erste Versuch noch abgewehrt werden konnte (77.). Angermünde schien angeknockt und mental am Ende, nachdem Niklas Gebhardt aus einem Konter heraus per flachem Anspiel bedient wurde und keine Mühe hatte zu vollenden (81.). Doch damit nicht genug. Genauso ein Tempovorstoß endete mit dem 4:0, den der eingewechselte Marcel Wlotzka, ebenso in Stürmermanier, zur Jubel-Arie machte (87.).

Schiedsrichter Daniel Seyed Vousoghi war in dieser Partie solide unterwegs, wurde aber über die gesamte Spielzeit den Makel einer spürbaren Verunsicherung in der Entscheidungsfindung nicht los. Das Gesamtpaket, der Emotionen und auch der stramm geführten Zweikämpfe, war schon schwer zu kontrollieren und sicherlich ein hartes Unterfangen. Dabei war die lange Leine in der Zweikampfbewertung sicherlich kein falsches Zeichen. Der Spielcharakter hätte aber in einigen Phasen ein kürzeres Seil benötigt, allein schon um die Gemüter herunterzukühlen. Der Platzverweis war mehr als konsequent, diesen Status, auch ohne eine harte Strafe, hätte man sich öfter gewünscht.

Die offizielle Statistik zum Spiel findet man hier.

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