Glücklich war nur die Bernauer Reserve …

KREISOBERLIGA OHV/BAR, 16. Spieltag, FSV Bernau II – SV Grün-Weiß Bergfelde 3:2

Die Vorzeichen zur Partie waren klar. Bernau führt das Mittelfeld an und schwimmt damit im Fahrwasser der Großen, ohne wahrscheinlich noch einmal im Kampf um den Aufstieg eingreifen zu können. Bergfelde hingegen, übt sich im unangenehmen Abstiegskampf, eine Situation, die man in der vergangenen Saison gar nicht kannte. In einem war man sich aber auf beiden Seiten einig. Es würde eine Partie mit vielen Fragezeichen werden, da keines der Teams witterungsbedingt wusste, wo man wirklich steht. Der Winter hatte einen großen Strich durch die Vorbereitungsphase und den Rückrundenauftakt so ein wenig zur Lotterie gemacht.

Die Begegnung begann erwartungsgemäß abtastend und ohne größere Risiken einzugehen. Ein Freistoß, mittig, achtzehn Meter vor dem Bernauer Kasten, brachte die erste Gästemöglichkeit und auch das 0:1. Philip Opitz nahm genau Maß und versenkte das Spielgerät über die Mauer hinweg ins rechte obere Dreieck (5.). Damit lagen die Karten erst einmal auf dem Tisch. Wer nun erwartete, dass dieser Treffer positive Wirkung für den weiteren Verlauf haben könnte, sah sich erst einmal getäuscht. Während Bernau sich mühte und etwas ideenlos daherkam, zeigte sich Bergfelde auf Augenhöhe mit gradlinigerer Vortragsweise. Die erste Hausherren-Torgefahr packte Philipp Marcel Schmid in der 13. Minute aus, als er den Ball aus relativ spitzem Winkel ans linke Außennetz setzte. Keine zwei Minuten später der nächste Freistoß für Bergfelde, an gleicher Stelle, wie beim ersten Treffer. Schultz trat wieder an und zirkelte den Ball über die Mauer. FSV-Schlussmann Tibor Laszlo hatte schnell reagiert und entschärfte die Situation mit sehenswerter Parade. Der FSV hatte im Vorwärtsgang bevorzugt über die linke Seite agiert und so auch die nächste, sehr gute Möglichkeit kreiert. Philipp Marcel Schmid bereitete die Situation schnörkellos vor, legte den Ball für Lennart Steckel auf, dem dann vollkommen frei der Schuss etwas abrutsche und sein Ziel knapp verfehlte (17.). Die Partie war spannend. Die Landesliga-Reserve ließ einiges an Qualität aufblitzen, schmälerte aber diesen Eindruck des Öfteren in ungenauen Anspielen. Ein solcher Bumerang leitete eine hundertprozentige Möglichkeit für die Gäste ein. Steven Schultz wurde zum Balleroberer, steckte überragend zu seinem Kollegen Marcel Weihrauch durch, der schlussendlich nur noch im Kampf um den Ball von Tibor Lazlo per Foulspiel gestoppt werden konnte. Schultz übernahm die Verantwortung für den fälligen Strafstoß und fand im Bernauer Torsteher seinen Meister. Lazlo ahnte die Ecke, tauchte ab und schnappte sich die Kugel, sehr zur Freude seiner Mitstreiter (31.). Noch in gleicher Minute lag der Ausgleich in der Luft. Lennart Steckel wurde steil geschickt. Doch sein Abschluss war zu harmlos, so dass der Ball knapp neben dem Pfosten ins Aus trudelte. Der FSV knabberte weiter am Ausgleich und wurde letztendlich auch noch vor dem Pausenpfiff belohnt. Beim Freistoß von der linken Seite, Höhe Strafraumkante, kommend, war der Kopf von Pascal Cyrol am präsentesten, denn er lenkte den Ball unhaltbar in die Maschen (44.).

Mit dem zum Spielverlauf passenden Halbzeitergebnis zog die Partie nun in der Intensität, aber auch in Emotionalität, spürbar an. Bernau kam zu Möglichkeiten, zeigte sich aber einfach nicht kaltschnäuzig genug. Wie zum Bespiel Lennart Steckel, der konternd vor Florian Julius Radtke auftauchte und den Grün-Weiß-Keeper fast schon anschoss, anstatt ein Stürmernäschen zu beweisen (47.). Bergfelde hingegen suchte die Tempovorstöße. Philip Opitz hatte in dieser Phase aus einem Konter resultierend den größten Riesen auf dem Schlappen. Doch schlussendlich versagte ihm in Bedrängnis das Schussglück, als er den Ball knapp über das Gehäuse setzte (57.). In der 64. Minute erzielte Leon Jarnetzky das 2:1, was im Nachgang noch zu reichlich Diskussionen führte. Mehrere Zweikämpfe im Gästestrafraum ließ Referee Jarno Schimke laufen, in denen sich aber beide Vertretungen benachteiligt fühlten. Schlussendlich kam aus dem Gewühl heraus ein Querpass zum Torschützen, der das Spielgerät unhaltbar ins Netz jagte. Die Emotionen kochten hoch. Bergfeldes Max Ota konnte sich verbal nicht zusammenreißen und musste gelb belastet per Ampelkarte frühzeitig den Platz verlassen (65.). Während sich die Partie kaum abkühlte, schaffte es Bergfelde auch nicht entscheidend die Rauchzeichen Richtung Ausgleich zu setzten. Stattdessen bestrafte der FSV eine Unachtsamkeit der Gäste mit dem 3:1. Lennert Steckel bewies dann doch noch Abschlussqualitäten, als er den Ball über den doch etwas weit von seinem Tor stehenden Florian Julius Radtke, im leeren Tor versenkte (78.). Der Sack war zu, wäre ein logischer Gedanke gewesen. Doch Steven Schultz im Bergfelder Trikot hatte nur zwei Minuten später etwas dagegen. Er wurde Nutznießer der intensiven Vorarbeit seines Partners Julius Nitz, als er den Pass in den Rückraum aufgelegt bekam und ins Viereck nagelte. Grün-Weiß schöpfte noch einmal Hoffnung und kam in der Nachspielzeit noch zur Großchance. Willi Lerche hatte im FSV-Strafraum eine Flanke mit der Brust auf David Klahn abgelegt. Klahn schloss aus Nahdistanz freistehend ab, brachte den Ball aber nicht unhaltbar aufs Tor und hatte dazu noch Pech, dass die Kugel leicht abgefälscht im Aus landete (90.+3).

„Als Verlierer muss man hier nicht vom Platz gehen“, begann Bergeldes Coach Dirk Opitz sein Statement zum Spiel. „Mit der zweiten Halbzeit bin ich sehr zufrieden. Wir spielen in Unterzahl und machen gegen einen aus meiner Sicht sehr starken Gegner, ein wirklich gutes Spiel. Ich habe hier heute eine Partie aus dem höheren Kreisoberliga-Regal mit zwei gleichwertigen Gegnern gesehen. Ein Kackpunkt war sicherlich das 2:1. Das Foul an uns muss der Assistent sehen, hat er aber dann doch nicht. Trotzdem Glückwunsch nach Bernau.“ FSV-Trainer Daniel Dornbusch sah eine schwierige Partie. “Für uns war das heute das erste Spiel in diesem Jahr. Kaum Außentraining, geschweige irgendwelche Testspiele. Das und die kommenden Spiele sind eine Art Vorbereitung auf Wettkampfniveau. Wir mussten uns an das Spielgefühl erst rantasten. Ich denke, das haben wir im zweiten Durchgang ganz gut hinbekommen. Trotzdem hätte die Partie auch 3:3 oder 5:5 ausgehen können. Wir sind schon der etwas glücklichere Sieger.“

Jarno Schimke und seinen beiden Mitstreiter Frank Breuer und Lukas Schoenebeck verlebten im ersten Durchgang eine ruhige Partie als Regelhüter. Dabei glänzte der junge Referee mit guter Vorteilsauslegung. Er ließ die Partie wohlwollend laufen, zeigte sich als regelkundiger und spielverständiger Leiter. Als die Begegnung nach dem Pausentee merklich anzog und sich auch die Gemütstemperaturen anhoben, wurde der Schiedsrichter gefordert. Dabei wackelte das Konstrukt in der Zusammenarbeit zwischen ihm und Assistent eins spürbar, weil man es auch nicht schaffte in der Außendarstellung eine Einheit zu bilden. Schlussendlich waren die persönlichen Strafen in Form von Verwarnungen und Ermahnungen das probate und nachvollziehbare Mittel die Emotionen zu zügeln und das Spiel im normalen Rahmen zu Ende zu bringen.  

Die Statitik zur Partie findet man hier.

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