Spitzenspiel auf dem Kunstrasen am Bernauer Wasserturm. Dem Titel „Top-Partie des Spieltages“ wurde die Begegnung vollkommen gerecht. Am Ende flimmerte ein 4:2 auf der Anzeigetafel, was den klaren Verdienst des Schönower Sieges widerspiegelte und von beiden Trainern im Nachgespäch aus so unterschrieben wurde. 152 Zuschauer erlebten eine spannende und hochklassige Partie, welche so ganz nebenbei auch noch Werbung für den Kreisoberliga-Fußball bedeutete.

Von Beginn an wurde jeder Meter zwischen den Strafräumen bearbeitet und dies auch in positiver spielerischer Qualität. Gerade die ersten zehn Minuten war das Level auf Augenhöhe mit je einer Möglichkeit ein Rauchzeichen zu setzen. Erst war es der Schönower Youngster Iven Eckardt, der Gäste-Keeper Robin Joseph Reschke aus achtzehn Metern prüfte (3.). Auf der anderen Seite probierte es Paul Haase ebenfalls mit einem Schuss aus der zweiten Reihe, bei dem sich Johannes Weinrich als RW-Torhüter schon etwas mehr strecken musste (4.). Das 1:0, erzielt durch Maximilian Bachnick, untermauerte schon die nun vorherrschenden Machtverhältnisse. Leegebruch konnte einen Tempovorstoß der Hausherren nicht unterbinden, genau wie das Anspiel auf Bachnick, der sein Laufduell ungehindert gewann und souverän einnetzte (12.). Die Partie blieb intensiv, mit Vorteilen auf der Heimseite. Gerade im Gegenpressing und in den Zweikämpfen war Schönow oft doppelt unterwegs und dabei auch recht erfolgreich. Leegebruch war in der Offensive mit Diagonalpass-Versuchen unterwegs, welche doch recht einfach zu verteidigen waren. Die Möglichkeit durch Christoph Spitze, der an der Gästestrafraumkante den Ball mit dem Rücken zum Tor annahm und dann per Seitfallzieher aufs Tor brachte, war dann doch nur für die Galerie, weil schlussendlich die große Gefahr fehlte (18.). Genau in die Rot-Weiße Druckphase wurde das erste Geschenk an die Gäste verteilt. Stümperhaft wurde eine Abwehrsituation genau vor die Füße von Paul Haase geklärt, der die Bestrafung folgen ließ und aus zehn Metern unhaltbar ins Netz traf (23.). Das Spiel fesselte weiterhin, obwohl in den Strafräumen nicht allzu viel passierte. Als dann Schönows Nico Brauer in der 32. Minute Bennet Müller an der Außenlinie im Niemandsland abräumte, weil er einfach zu spät kam, wurde es das erste Mal emotional etwas knackiger. Schiedsrichter Christopher Witte bestrafte die Aktion nachvollziehbar mit dem gelben Karton und setzte verbal noch ein Zeichen an den Täter, knapp am Platzverweis vorbeigeschrammt zu sein. Für Bennet Müller ging es nicht mehr weiter, für ihn kam Mats Wenzke. Ein Konter der Hausherren und ein Dribbling von Iven Eckardt, der einige seiner Gegenspieler schlecht aussehen ließ, endete mit einem Zufall bringen im Gästestrafraum und der Referee-Entscheidung einen Strafstoß zu verhängen. „Für mich war das kein Elfer“, hatte Gäste-Coach Kevin Schulz den Situationsbeschluss moniert und dabei schon etwas frustriert gewirkt. Nico Brauer, der im Übrigen wegen seiner Platzverweisgefahr in der 41. Minute ausgetauscht wurde, übernahm die Verantwortung und ließ Reschke mit sehr platziertem Einschlag keine Abwehrchance (36.). Einhundertachtzig Sekunden später riss das lapidare Abwehrverhaltensmuster der Hausherren das gerade aufgebaute stabile Kartenhaus wieder ein. Es war im Endeffekt eine Blaupause des ersten Gegentreffers, bei der Paul Haase wiederholt zum Nutznießer wurde und frei einschießen konnte. Praktisch mit dem Halbzeitpfiff lag die erneute Führung der Hausherren in der Luft. Ein Diagonalpass aus dem Lehrbruch auf den eingelaufenen Iven Eckardt wurde zur hochprozentigen Möglichkeit. Doch Eckardts Stirn setzte den Ball knapp neben den Kasten, was dem Unterfangen schon ein wenig Kläglichkeit einhauchte.
Zum Wiederanpfiff gab Blau-Weiß die Strategie der langen Bälle auf und zelebrierte mit spielerischer Note den eigenen Vorwärtsgang. Ein durchgesteckter Ball auf Nick Matztat brachte die Möglichkeit der Gästeführung. Matztat zögerte aber zu lange und ließ sich in den spitzen Winkel abdrängen. Schlussendlich ließ sein Schuss nur das Außennetz zappeln (50.). Dass auch die Gäste Präsente verteilen können, welche auch gerne angenommen werden, zeigte sich in der 56. Minute. Leegebruch schaffte es ebenfalls nicht, die Situation kompromisslos zu klären und war dann zum Zuschauen verdammt, wie Tobis Münchberg aus dem Rückraum das Spielgerät ins Tor bugsierte. Den nächsten Aufreger mit Negativfolgen für Blau-Weiß präsentierte die 62. Minute. Ein Foulfreistoß im Mittelfeld für die Gäste zog eine verbale Auseinandersetzung nach sich, die mit einer roten Karte für Nick Matztat endete. „Der flapsige jugendliche Slang ist uns dann wohl auf die Füße gefallen“, hatte Kevin Schulz seine Sichtweise als Grund für die personelle Dezimierung erklärt und dies aber schon ein wenig als nachvollziehbar empfunden. Die Hochklassigkeit ebbte in der Folge etwas ab. Die Partie hatte viel Kraft gekostet und nagte auch an der Konzentration. So litten die Angriffsbemühungen an Ungenauigkeiten in Anspielen und Abschlüssen. Iven Eckardt belohnte sich dann in der 83. Minute mit dem 4:2 für seine gute Leistung und machte damit den berühmten Deckel drauf. In Stürmermanier verwertete er das flache Anspiel von Emurla Musa, als er im Strafraum frei zum Torschuss kam.
„Ein hochverdienter Sieg“, so begann die Analyse von RW-Coach Hendrik Brösel. „Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. Wir waren über die gesamte Spielzeit das bessere Team. Zweimal schlecht verteidigt, das kann schon mal passieren. Für uns ist die momentane tabellarische Situation schon neu. In der vergangenen Spielzeit sind wir halt immer hinterhergelaufen. Die Spiele in der Liga sind oft sehr eng, da gehen schnell schon mal Punkte verloren. Da brauchen wir immer die volle Qualität, um zu bestehen.“
Leegebruchs Übungsleiter Kevin Schulz monierte in seiner Nachbetrachtung die Schiedsrichterleistung und hob aber die Moral seiner Jungs hervor. „Wir sind zweimal zurückgekommen. Für mich war es eine gute Kreisoberligapartie von denen die gespielt haben, aber nicht von denen die das Match geleitet haben. Wir haben jetzt alle Gegner aus der oberen Tabelle hinter uns und können jetzt schauen, wie sich die Tabelle für uns weiterentwickelt.“
Schönow: Johannes Weinrich – Maximilian Bachnick, Emurla Musa, Hannes Krüger, Tobias Münchberg (87. Steven Leps), Christoph Spitze (66. Wilhelm Schlesinger), Pascal Bettge (87. Lukas Lang), Peter Erdmann, Paul Paasche, Nico Brauer (41. Marcel Wlotzka), Iven Eckardt (87. Jannik Haselow)
Leegebruch: Robin Joseph Reschke – Tim Plorin, Sven Herok, Ben Gottwald, Nick Matztat, Paul Haase, Robert Dittmer (69. Jason-Luke Raschka), Niklas Kalisch, Daven Mohr (75. Leandro Reinelt), Artur Moge, Bennet Müller (38. Mats Wenzke)
Schiedsrichter: Christopher Witte (Die Leistung des Referees war bei weitem nicht so schlecht, wie es von beiden Teams gesehen wurde. Die etwas kleinlich angesetzte Linie in der Vergabe persönlicher Strafen zog er konsequent durch und dies erkennbar von Anfang an. Somit hätte jeder Beteiligte wissen müssen, worauf er sich bei der eigenen Gratwanderung einlässt. Positiv muss man bewerten, dass er immer präsent war und somit das ein oder andere emotionale Köcheln im Ansatz erstickte. Trotzdem muss sich der Schiedsrichter die Kritik gefallen lassen, in seinem Handlungsraum, auch in der Zweikampfbewertung, zu enge Grenzen gesetzt zu haben. Für eine Partie mit zu erwartender Qualität und Mannschaften, die mehr Fußball spielen wollen, als zu kämpfen, wäre eine etwas längere Leine von Vorteil gewesen, welche man im Bedarfsfall wieder hätte einrollen können.
Ein Hinweis noch an die spielende Zunft: Das Wort Fingerspitzengefühl wurde durch Handlungsspielraum ersetzt. Und das liegt im Ermessen des Schiedsrichters, wie er diesen ausdehnt oder zusammenzieht und das immer mit dem Blick auf die geltenden Regeln.)
SRA: Michael Reichert, Uwe Wieland
Zuschauer: 152





























































































































