Platzverhältnisse verhindern Ansehnliches …

KREISOBERLIHA OHV/BAR, 16. Spieltag, SpG Lichterfelde/Finow – FSV Fortuna Britz 90 4:0

Es war angerichtet, am Ostersamstag. Bestes, dem Frühling angehauchtes Wetter, eine stattliche Kulisse von knapp 200 Zuschauern und ein Ortsderby, bei dem sich mancher Spieler in der Vergangenheit schon im gegnerischen Trikot über die Plätze Barnims bewegt hatte. Doch bei aller Vorfreude machte die Qualität des Geläufes dem Unterfangen einen fetten Strich durch die Rechnung. Von „Zumutung“, die von Gästeseite vor der Partie geäußert wurde, bis zum „ordentlich Fußball spielen war hier heute nicht wirklich möglich“, welches SpG-Trainer Rico Musick nach Spielende konstatiert hatte, zeigte die gesamte Meinungsbreite zum Zustand der „Wiese“ in Lichterfelde.

Unter der anfangs nimmermüde wirkenden Gäste-Mini-Fankurve, die trommelunterstützt ihre Gesänge in den Nachmittag unterbrachte, schleppte sich das Spielgeschehen im Gegensatz dazu, durch die Anfangsminuten. Das erste Nennenswerte produzierten die Hausherren, mit dem Resultat der frühen Führung. Ein eingeleiteter Angriff, der mit einer Flanke von der rechten Seite endete, offenbarte bei den Britzern schlechte Werte im Zugriff und in den Klärungsversuchen. Schlussendlich kam Marc Seifert frei zum Schuss und ließ dabei Fortunen-Keeper Kevin Wilkesmann nicht die Spur einer Abwehrmöglichkeit (10.). Die Partie blieb in der Folge in den Kräfteverhältnissen im Pari Pari, obwohl man anmerken musste, dass Lichterfelde/Finow reifer wirkte. Britz kam auch zu Strafraum-Annäherungen, hinterließ im Zielgebiet aber einen schlampigen Eindruck. Wie bei der Möglichkeit in der 13. Minute, als Arthur Holzmann die Kugel zur Strafraumgrenze zurückgespielt bekam und ihm der Ball über den Schlappen rutschte und weit neben dem Kasten im Aus landete. Es war schwere Kost von beiden Seiten, die man ursächlich nicht nur den Platzverhältnissen zu ordnen konnte. Von Derby-Charakter, dem oft auch schwierige Raseneigenschaften zu Grunde liegen und dann zur Animation von „jetzt erst recht“ Eigenschaften führen, war rein gar nichts zu sehen. Teilweise führten Zweikämpfe zu Foulspielen in rustikaler Manier, oft aber auch nur, weil man einfach zu spät in der Auseinandersetzung um den Ball ankam. Eigentlich aus dem Nichts fiel das 2:0 und gab den Hausherren, das Prädikat sehr effizient zu sein. Wieder zeigte sich Britz recht schwach in der Situationsklärung, aus der Kalid El-Ahmar seine Möglichkeit wahrnahm und aus der zweiten Reihe abzog. Der Torschütze hatte vor seinem Torjubel schon etwas Glück, dass Britz Schlussmann Wilkesmann einen haltbaren Ball aus dem Netz zum 2:0 holen musste (31.). Während die SpG weiterhin keinen Chancenwucher betrieb, versuchten die Gäste über die Außenbahnen Möglichkeiten zu kreieren. Doch der Mangel an Zielstrebigkeit und auch fehlender Qualität ließ förmlich einiges krepieren. Ein Beispiel: Lukas Wehrmann hatte sich sehenswert auf der rechten Seite durchgetankt und legte vielversprechend für Hannes Gersdorf im Rückraum auf. Doch dessen Geschoß fehlte jegliche Präzision und landete im Fangnetz weit neben dem Tor (44.).

Mit dem Fazit für die Hausherren, sich trotz der Halbzeit-Führung nicht „das Futter ausgerissen zu haben“, gewann die Partie zum Wiederanpfiff etwas an Schwung. Doch mit dem 3:0 nach einundfünfzig Minuten waren den Gästen sämtliche Zähne gezogen. Ein Rückpass auf Kevin Wilkesmann wurde zum Rohrkrepierer. Der Versuch den Ball zurück ins Mittelfeld zu bugsieren, misslang durch einen Luftloch-Schlag und machte den Weg für Ben Preissel frei, der den Ball ohne Gegenwehr im Britzer Netz unterzubringen konnte. Die Partie war eigentlich gelaufen. Trotzdem kochten die Emotionen noch einmal hoch und verpassten der Begegnung so ein wenig das erhoffte Feeling eines Nachbarschaftsduells. Wilkesmann hatte im Frust den Torschützen, der den Ball aus dem Netz holen wollte, umgestoßen und war im Nachgang ohne Strafen davongekommen. Stattdessen verwarnte Referee Jakob Spielmann Ben Preissel, was auf einiges an Unverständnis stieß und in der Folge die Partie gefühlsmäßig köcheln ließ. Britz wollte noch nicht aufgeben, tauchte aber mit zunehmender Dauer immer mehr in die Resignation ab, so dass die Begegnung nur noch einen Höhepunkt zu bieten hatte. Und diesen hatte sich der Fortuna-Schlussmann gebucht, als er bei seinem Versuch im eigenen Strafraum den Ball wegzuspitzeln, Tammes Ole Wolter rustikal abräumte. Strafstoß war die logische Konsequenz. SpG-Mannschaftskapitän Frank Niemann übernahm das Prozedere, verlud Wilkesmann und konnte sich mit dem 4:0 ebenfalls in die Torschützenliste eintragen lassen (90.).

„Für mich war es bis zur Halbzeit ein typisches Null-zu-Null-Spiel. Leider hat uns heute die Gradlinigkeit im Vorwärtsgang und auch die Kaltschnäuzigkeit im Ausspielen unserer Möglichkeiten gefehlt. Ich muss aber auch ehrlich eingestehen, dass wir heute ein Qualitätsproblem hatten. Am Ende des Tages haben wir zurecht verloren“, so dass Statement von Gäste-Trainer Enrico Jürgens. Sein Übungsleiter-Kollege auf SpG-Seite Rico Musick sah schon einen verdienten Sieg. „Vielleicht etwas zu hoch, aber über das gesamte Spiel gesehen, waren wir schon die bessere Mannschaft. Wenn ich richtig gezählt habe, hatte Britz nur eine richtige Chance, wo auch unser Keeper eingreifen musste. Wir können sicherlich besseren Fußball bieten, die Verhältnisse haben dies aber nicht zugelassen. Kremmen hat uns jetzt elf Punkte voraus, wir werden weiter dranbleiben. Nüchtern betrachtet, ist das schon eine ganz schöne Hausmarke.“

Schiedsrichter Jakob Spielmann war im Gesamten gesehen ein guter Leiter der Partie. In Halbzeit eins wurde er kaum gefordert, weil auch seine ruhige, aber bestimmende Art im Umgang mit den Spielern positive Wirkung zeigte. Trotzdem wäre es in der ein oder anderen Situation von Vorteil gewesen, gleich die Partie zu unterbrechen und nicht den Eindruck zu vermitteln auf Zuruf zu entscheiden. Aufkommender Unmut wäre somit zeitnah abgewürgt. Leider hat er es versäumt im Anschluss an den dritten Treffer den Britzer Keeper eine Strafe auszusprechen. Unverständlich, da er im Anschluss auch noch seinen zuständigen Assistenten Luan Bethke konsultierte. Ein Umstand der Fragen aufwirft, weil das Wegstoßen eigentlich von allen gesehen wurde und ihm bei konsequenter Ahndung mit Sicherheit ruhigere Folgeminuten beschert hätte.

Die Statistik zur Partie findet man hier.

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