Erfolgreich mit Wind …

LANDESKLASSE NORD, 16. Spieltag, TuS 1896 Sachsenhausen II – SV 1908 „GRÜN-WEISS“ Ahrensfelde II 1:2

Im Duell der beiden Brandenburgliga-Reserven nimmt Ahrensfelde immens wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt mit. Sachsenhausen wird die Niederlage verschmerzen können, da man im Niemandsland der Liga vor sich hindümpelt und ohne Ambitionen dem Alltag frönen kann. Grün-Weiss hingegen war schon zum Siegen verdammt, da die Konkurrenz, besonders die Templiner Truppe, sich ebenfalls schadlos in den Nachhol-Partien zeigte.

Bei Sonnenschein und doch recht aktiven Wind, der den Gästen im ersten Durchgang den Rücken und vor allem den Vorwärtsgang stärkte, entwickelte sich eine Begegnung, in der Ahrensfelde mächtig präsent loslegte. Vierzig Sekunden waren gespielt, da hatte Max Herrmann das 0:1 schon auf den Schlappen. Doch seine Schussstiefel passten noch richtig, so dass der Abschluss etwas kläglich anhaucht seinen Weg ins Toraus fand. Windunterstützt schnürte Grün-Weiss die Hausherren ein, die ihrerseits kaum Mittel fanden in die Entlastung zu kommen. Die Barnimer Truppe machte aber den Fehler vornehmlich mit langen, öffnenden Bällen zu operieren. Gerade der flinke Jeremey Schröder auf der rechten Seite rannte einige Male ins Nirvana, weil die Bälle windgetragen immer länger wurden und im Aus landeten. Der erste Entlastungsangriff der Hausherren, bei dem Tim Boremski im rechten Strafraum angespielt wurde, direkt abzog und sein Ziel um gut zwei Meter verfehlte, konnte schon als verheißungsvolle Möglichkeit registriert werden (13.). Keine zwei Minuten später klingelte es dann TuS-Gehäuse zur Gästeführung. Ein Handfreistoß aus dem linken Halbfeld wurde lang in den Strafraum geschlagen. Leo Buchholz ergatterte sich das Spielgerät, schlug zwei Häkchen und nagelte den Ball an den linken Pfosten, von wo er unhaltbar ins Netz sprang. Die Führung war verdient, allein schon, weil die Spielanteile in der Anfangsphase vollumfänglich auf der Gästeseite lagen. Ahrensfelde machte nun vieles richtig, presste weiterhin früh und kam zu weiteren Möglichkeiten, wie der von Max Herrmann in der 17. Minute. Die Eingabe Jeremy Schröder landete an der Strafraumgrenze beim Ahrensfelder Goalgetter, der direkt abzog und wiederholt mit seinem Schussglück haderte. Der dritte Herrmann-Versuch passte dann endlich, obwohl man diesen in der Entstehung schon etwas glücklich bezeichnen konnte. Sein Kollege Jeremy Schröder hatte sein Geschoß an den rechten Pfosten gesetzt und Herrmann mit dem zurückprallenden Ball in Szene gesetzt. Mit allen Freiheiten bewaffnet und unterstützt von einer schläfrigen Gästeabwehr konnte er sich die Kugel in aller Ruhe zurechtlegen und auch noch aussuchen, wo der Ball landen sollte. Er hatte die Mitte gewählt und ließ den Ball unterhalb der Latte einschlagen (20.). Es lief für die Gäste, die nun scheinbar auf dem Weg waren, dem TuS richtig wehzutun. Ein Eckball, bei dem Thomas Ston an der Fünferkante, scheinbar doch etwas überrascht, mit langem Bein zum Abschluss kam und den Ball über den Kasten lupfte, hätte durchaus den dritten Treffer bedeuteten können, wenn nicht sogar müssen (23.). Nach gut dreißig Minuten verflachte die Partie etwas. Ahrensfelde schien irgend sein Pulver verschossen zu haben, was den Hausherren einiges an Entlastung verschaffte. Doch von deren Seite kam, genauso wie von den Gästen, kaum noch Zählbares auf die Gehäuse.

„Wir haben dann zur Halbzeit unsere Ausrichtung etwas defensiver gestaltet. Wir konnten schon davon ausgehen, dass uns der Gegner, nun mit dem Wind im Rücken, unter Druck setzen würde“, hatte Ahensfeldes Coach Enrique Aljama Donoso den etwas verhalten Auftritt seiner Truppe im zweiten Durchgang erklärt. Und genauso kam es auch. Aber mit dem Unterschied, dass die Angriffe des Heimtruppe bei weitem nicht so aggressiv und überzeugend angegangen wurden, wie es Grün-Weiss in den ersten dreißig Minuten zelebrierte. Sachsenhausen machte auch den Fehler mit langen Anspielen über die Außen in die Räume zu kommen, doch der Wind machte viele Bälle unerreichbar. Ein Freistoß in halbrechter Position, gut zwanzig Meter vor dem Gästekasten, brachte den TuS und dem Torerfolg etwas näher. Nick Dammenhayn zirkelte den Ball um die Mauer auf den rechten Pfosten. GWA-Keeper Dominik Vollmer roch den Braten und wehrte sehenswert zur Ecke ab (48.). Ahrensfelde konterte in der Folge nur noch sporadisch und ging dabei in der Konsequenz mit den sich anbahnenden Möglichkeiten schlampig um. Sachsenhausen zeigte sich präsent, aber ohne große Überzeugung und vor allem Gefährlichkeit. Maximal kam man auf Halbchancen-Niveau in die Zielregion, mehr aber auch nicht und machte es den Gästen damit auch recht einfach, die Bude sauber zu halten. Zerfahrenheit machte sich breit, weil viele hohe Bälle, gerade im Mittelfeld zu Kopfball-Duellen führten, in denen das Spielgerät oft die Gegnerschaft wechselte. Trotzdem schaffte Sachsenhausen den Anschuss, den Christopher Groll in der 73. Minute erzielte. Eine Flanke von der rechten Seite offenbarte eine schlechte Zuordnung in der Gästeabwehr, die Groll konsequent ausnutzte. Wer nun auf Sachsenhausens Seite einen Sturmlauf erwartete, sah sich getäuscht. Der Dittmer-Truppe fehlten in der Folge die Ideen, die sicher agierende Gästeabwehr zu knacken und auch die spürbare Körpersprache, die den Willen ausdrücken sollte, noch Zählbares einzufahren.

„Das war heute eine starke Leistung von allen, daran müssen wir anknüpfen, bis zum Ende der Saison“, zeigte sich Ahrensfeldes Trainer Enrique Aljama Donoso im Nachgespräch sehr zuversichtlich in Richtung Klassenerhalt.

Schiedsrichter Henry Martin Kauhausen ist ein junger Referee, der noch in seiner vollen Entwicklung steckt, die wahrscheinlich bei den Spielleitern nie aufhören wird. Regeltechnisch passte die Spielleitung. Nur die oft zitierte Pfeifensprache, auch der selbstbewusste Umgang mit den Aktiven und den Personen auf den Auswechselbänken benötigt noch reichlich Erfahrung. Oft sind es gestandene Akteure, die die Grenzen austesten und damit an der Persönlichkeit des Schiedsrichters herumknabbern. Erfahrung, Selbstbewusstsein, gepaart mit einer gewissen Lockerheit für die Außenwirkung schaffen Transparenz für eine Spielleitung und Entscheidungsakzeptanz. Also, weitermachen, nicht aufgeben und vor allem „am Ball“ bleiben … Erfahrung ist das halbe Leben.

Die Statistik zur Partie findet man hier.

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