LANDESKLASSE NORD, 22. Spieltag, BSV Rot-Weiß Schönow – 1. FV Eintracht Wandlitz 0:5
„Rums“, das hat gesessen! Eintracht Wandlitz, bekannt als sognannte „Liga-Wundertüte“, organisiert den Hausherren mit diesem auch in der Höhe verdienten Auswärtssieg, versteinerte Mienen und revanchiert sich für die klare Hinspielniederlage.

Dabei begann die Partie recht verhalten und musste schon nach einer Minute in eine längere Unterbrechung gehen, weil man mit dem Ballmaterial unzufrieden war und sich schlussendlich nicht entscheiden konnte, welcher Härtegrad nun der richtige sein sollte. Die Anfangsphase wurde von schwerer Kost begleitet. Keines der Teams fand den Weg in die Partie, vieles blieb noch Stückwerk. Unter der Dauerbeschallung einer Motorkettensäge aus der Nachbarschaft kam Wandlitz zur ersten Möglichkeit, welche schlussendlich auch in einem Torerfolg mündete. Schonöw schaffte es nicht den öffnenden Pass Richtung rechter Seite zu unterbinden. Manuel Thomas war der Adressat, der nicht lange fackelte, abzog und links unten traf. RW-Keeper Enrico Müller hatte zwar noch die Finger dran, den Einschlag konnte er aber nicht verhindern (13.). Die Gäste blieben erst einmal am Drücker. Doch ein Nachlegen, wie beim Schuss von Nico Rücker, verhinderte die vielbeinige Heimabwehr (15.). Wer nun auf ein Aufbäumen der Hausherren hoffte, sah sich in der Folge getäuscht. Schönow tat sich weiterhin schwer, ließ Grundtugenden, wie Einsatzfreude, Galligkeit und der Anzeige eines Planes vermissen. Die erste Möglichkeit der Rot-Weißen resultierte aus einem Freistoß. Diesen brachte Hannes Krüger direkt auf den Kasten, doch Florian Schweitzer, der Eintracht-Torsteher, zeigte sich konzentriert und meisterte diese Aufgabe sehenswert (24.). Spielerisch lief in den Reihen der Hausherren nur wenig zusammen. Für Wandlitz ein positiver Umstand, der das Team mit solider Abwehrarbeit noch mehr zusammenschweißte und dem Auftritt das benötigte Selbstvertrauen einimpfte. Rot-Weiß fand weiterhin keinen richtigen Zugang zum Spiel. Dustin Warmbrunn versuchte verbal als steuerndes Element im Mittelfeld die Fäden zu ziehen. Seine hinweisenden Worte wurden aber überhört, denn im Vorwärtsgang agierte die Truppe viel zu durchsichtig und statisch. Richtig ernst machte Schönow in der 33. Minute. Hannes Krüger wurde diagonal angespielt, nahm an der rechten Strafraumgrenze genau maß und nagelte das Spielgerät an den rechten Pfosten. Die Nachschussmöglichkeit war gegeben, verpuffte aber in den Wandlitzer Körperteilen, die sich dem Abschluss entgegenwarfen. In dieser Phase kam Schönow etwas besser in die Partie. Doch Wandlitz blieb weiterhin die gefährlichere Truppe. Der Doppelchance in der 37. Minute durch Roman Schmidt und Paul Roller, folgte das 0:2. Ein langer Ball auf Schmidt, der dann Nico Brauer im Zweikampf düpierte, präsentierte die Torjäger-Qualitäten des Eintracht-Goalgetters. Ohne Schnörkel ließ er beim Schuss RW-Torhüter Müller nicht die Spur einer Abwehrchance (39.). Schönow schien angeschlagen, brachte offensiv kaum noch etwas auf den Rasen. „Wie ideenlos“, posaunte Müller seine Kollegen an und hatte damit den Nagel hundertprozentig auf Kopf getroffen.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, eine Phrase, die im Schönower Halbzeitgespräch ein Anhaltspunkt gewesen sein könnte und mit dem Dreifachwechsel neue Nahrung vermittelte. Doch eine spürbare Wirkung blieb erst einmal aus. Bis auf den gelben Karton, den sich Samuel Troschke wegen einer Entscheidungs-Kritik abholte (59.) und einer sich eher zufällig aufgetanen Möglichkeit für Dennis Ulbrich (46.) war von den Neuankömmlingen und dem Rest der Truppe nicht viel zu sehen. Wandlitz blieb gallig, zeigte sich planungsorientiert und mit positiver Körpersprache, von der sich Schönow hätte etwas abschneiden können, es aber weiterhin nicht tat. Stattdessen kam Eintracht zu Möglichkeiten, wenn auch sporadisch, aber mit Wirkung. Wie dem Pfostenknaller von Roman Schmidt, den er nach verlängertem Anspiel von der rechten Seite ans Aluminium bugsierte (49.). Auch Manuel Thomas sein Geschoß, welches Müller toll parierte, wäre ein Treffer wert gewesen (52.). Der schlaffe Spielaufbau der Hausherren leitete das nächste Gästetor ein. Routinier Paul Roller machte sich auf den Weg ins Eins-gegen-Eins-Duell mit Müller, den er in Stürmermanier umkurvte und vielumjubelnd einnetzte (63.). Die Messen waren zu diesem Zeitpunkt schon gegessen. Das große optische Aufbäumen der Schönower blieb aus. Bis auf ein paar halbe Möglichkeiten, mit fehlender Konsequenz und Kaltschnäuzigkeit, und zwei sehenswerten Abschlüssen durch Emurla Musa aus der zweiten Reihe, die Schweitzer mit guten Flugeinlagen entschärfte, war nicht mehr viel zu sehen. Frustbehafte Verwarnungen nach Schiri-Entscheidungen offenbarten in der Folgezeit das angeknackte Nervenkostüm, welches den Trainer, Florian Gerber, fast zur Weißglut trieb. Für Wandlitz lief es wie am Schnürchen. Nach gleichem Schnittmuster und wiederholt unnötigem Ballverlust der Rot-Weißen, wie beim Treffer von Paul Roller, erzielte Roman Schmidt das 0:4 (75.). Doch das Leid der Heimtruppe kannte kein Ende. Wieder war es Roman Schmidt, der seinen Dreierpack schnürte und Schönow damit ins Heimdebakel beförderte. Ein durchgesteckter Ball eröffnete für Schmidt ungeahnte Freiräume, die er für sich und sein Team konsequent zum Endstand nutzte (85.).
„Bei fünf Toren findet man sicherlich kaum Negatives. Wobei ich anmerken muss, dass das 0:2 zum richtigen Zeitpunkt gefallen ist, weil Schönow besser ins Spiel gekommen war. Wir haben den Dosenöffner scheinbar gebraucht und hier heute in Schönow gefunden. Wir hatten einige Niederlagen in der Vergangenheit, die recht unglücklich waren. Die zweite Halbzeit haben wir dann souverän heruntergespielt, können sogar noch das ein oder andere Tor mehr erzielen. Schönows Spielweise hat uns heute sehr in die Karten gespielt, unser Plan ist voll aufgegangen“, so das Statement von Matthias Händler kurz nach Spielende. Sein Schönower Kollege, Florian Gerber, war natürlich bedient. „Dies war ein Spiel in der sich eine Mannschaft absolut bewusst ist, in welcher Situation man sich befindet. Sich gemeinsam reinhängt, zusammen kämpft, verteidigt und angreift. Das Resultat haben wir gesehen und gespürt. Es gibt halt Tage, eventuell einen in der Hin- und einen in der Rückrunde, wo nichts funktioniert. Doch davon haben wir leider zu viele. Es war heute ein Derby und ich weiß nicht, ob das jedem bewusst war und ist. Wandlitz hat auch in der Höhe verdient gewonnen, die haben alles reingehauen. Von uns kam zu wenig, vielleicht hat man gedacht, das geht von allein. Wir müssen mit uns selber ins Gericht gehen, nicht mit dem Schiedsrichter und auch nicht mit dem Gegner.“

Schiedsrichter Paul Steffini war ein sehr guter Leiter. Ruhig und zurückhaltend, mit sichtbarer Linie unterwegs, ließ er die Partie großzügig laufen und zeigte sich konsequent in der Ansprache und im Anbringen der persönlichen Strafen. Mit seinen Assistenten, Matti Hoppe und Thomas Ziesing ein klasse Paket, dass vollends zu überzeugen wusste.
Die Spiel-Statistik findet man hier.































































































