Die halbe Miete für Finowfurt?

KREISLIGA OST, 23. Spieltag, FV Preussen Eberswalde II – 1. FC Finowfurt 1:2

Die Sachlage um den Aufstieg in die Beletage des Fußballkreises Oberhavel/Barnim hat in der Ost-Staffel der Kreisliga schon reichlich „Schmackes“.  Und genau in diese Tatsache sprang die Spitzenpartie zwischen der Preussen-Reserve und den sehr stark ambitionierten Finwofurtern. Den Bonbon mit Derby-Geschmack gab es noch gratis hinzu. Schlussendlich gelang dem 1. FC ein Auswärtssieg, der zwar am seidenen Faden hing, aber für die Restsaison nun die Möglichkeit beschert, alles selbst zu entscheiden.

Es war angerichtet auf dem engen Kunstrasen im Westend-Stadion. 167 zahlende Zuschauer, von denen der größte Teil mit den Gästen sympathisierte und bestes Fußballwetter. Nur die Maße des Geläufes passten irgendwie nicht ganz in das Bild. Denn von Beginn an präsentierten beide Vertretungen hohe individuelle Qualitäten und auch die passenden Taktiken, von denen Finowfurt mit frühem Pressing mehr in die Waagschale werfen konnte. Trotzdem fehlte ganz einfach der Platz, der mehr Freiheit bedeuten hätte können, um die Partie mit dem vorhandenen Spielwitz, der Laufbereitschaft und Geschwindigkeit in die Breite und in die Länge zu ziehen. Drei Minuten der Gäste-Belagerung in der Preußen-Hälfte waren vergangen, da hatte Eberswalde in Persona Rodrigo De Jesus Mendes mit seinem Abstauber zum 1:0 Nüchternheit in die Finowfurter Angriffsbemühungen einziehen lassen. Mendes wurde Nutznießer eines Kollegen-Torschusses, den FC-Torsteher Veit Gumlich abprallen ließ und der ihm förmlich vor die Füße fiel. Mendes bekam auch die nächste Möglichkeit serviert, als er seinen Freistoß platziert setzte, aber auch honorieren musste, dass Gumlich seine Finger noch am Spielgerät hatte und am Ende nur ein Eckball heraussprang (8.). Doch diese Ecke ließ die Finowfurter durchatmen, denn der Kopfball den Luka Jäckel aufs Tor brachte, konnte in letzter Not von Jacob Juckel kurz vor dem Einschlag entschärft werden (9.). Während Preussen, zum Teil auch sehenswert, im One-Touch-Modus die Angriffe aufzog, machte ein langer Ball der Gäste, welche per Kopf verlängert wurde, von sich reden. Die Kugel landete bei Felix Schönknecht, der dadurch ins Eins-gegen-Eins-Duell mit Eberswaldes Schlussmann Philipp Heidbrecht kam und dies letztendlich mit dem 1:1 für sich entschied (11.). Finowfurt tat der Treffer spürbar gut. Die Partie bewegte sich in der Folgezeit auf Augenhöhe, mit der Tendenz die Machtverhältnisse auf die Gästeseite zu ziehen. Das Geschoß, welches Stephan Zimmer aus zwanzig Metern abfeuerte, zwang Heidbrecht einzugreifen und sehenswert zu entschärfen (16.). Die Folgezeit ließ die Begegnung immer mehr verflachen. Eine der Ursachen war die schon angesprochene Platzgröße. Die individuelle Güte war durchaus vorhanden, doch fehlte dem Unterfangen die Fläche zum Ausleben. So wurde zwischen den Strafräumen, mit Versuchen spielerisch voranzukommen, geackert, vieles aber auch mit unnötigen Ballverlusten zu Nichte gemacht. So zuckten sporadisch die Angriffsbemühungen, wie zum Beispiel Kenny Ladwig und Ezuldeen Husayn Khalleefah per Doppelmöglichkeit für Preussen (23.) und Abschlüsse der Gäste aus der zweiten Reihe, die in der vielbeinigen Abwehr hängen blieben. Den Schlusspunkt der ersten Hälfte setzte Magomed Makhadaev. Sein Schuss aus spitzem Winkel war aber zu ungenau und landete in den Armen von Gumlich (45.+3).

Die Gemengelage nach Wiederanpfiff erinnerte an den Beginn der Partie. Finowfurt mit dem besseren Einstieg und der zeitweisen Übernahme der Machtverhältnisse. Nils Neuendorf versuchte mit Auge aus dem linken Halbfeld, aus gut zwanzig Metern Entfernung, per Heber Heidbrecht zu überwinden. Doch hatte er zu sehr Maß genommen, denn das Lattenkreuz verhinderte seinen Torjubel (51.). Mit zunehmender Dauer stellte sich die auch in Halbzeit festgestellte zweitweise Neutralisation ein. Es war intensiv, individuell wurde viel geboten, doch zielbringendes sprang nur selten heraus. Ein Zweikampfgewinn durch Paul Strunk hätte fast schon mit dem 1:2 enden müssen. Doch Strunks Flanke in den Strafraum passte nicht zu ganz zum Adressaten Felix Schönknecht, der zwar frei zum Abschluss kam, die Kugel aber knapp neben das Tor setzte (61.). Finowfurt blieb im Chancenplus. Untermauert wurde dies in der 64. Minute. Schönknecht zwang Gumlich mit sattem Geschoß von der Strafraumgrenze zur Glanztat. Seine Faustabwehr landete bei Stephan Zimmer, der die Kugel dann in den Eberswalder Himmel drosch. Zimmer war dann aber der sehr glückbehaftete Torschütze zum 1:2. Ein langer Einwurf von der rechten Seite ließ Preussen in der Klärung sehr schlecht aussehen. Schlussendlich wurde Zimmer in den Abwehrversuchen förmlich angeschossen und so ungewollt zum Matchwinner (80.). Der Jubel war riesengroß und läutete eine spannende Endphase ein. Mit Unterstützung des eigenen Anhangs, die jeden Ballgewinn und positiv gestaltete Aktionen bejubelten, ließ Finowfurt kaum noch etwas anbrennen. Im Gegenzug konterte die Truppe und hätte bei mehr kaltschnäuzig den Sack frühzeitig zu machen können. Wie bei der Möglichkeit durch Paul Strunk, der das Spielgerät ans Außennetz setzte (84.). Preussen kam auch zu Chancen. Denen fehlte aber die Zielgenauigkeit, um den gut aufgelegten Ersatzkeeper Julian Falk, der den verletzt ausgeschiedenen Gumlich ersetzte, zu überwinden. Am Ende jubelte Finowfurt in einer gutklassigen Partie nicht unverdient mit der Erkenntnis, dass beide Teams locker eine Bereicherung für die Kreisoberliga wären.

„Der erste Durchgang war noch recht ausgeglichen, da war das 1:1 auch gerechtfertigt. Nach dem Wiederanpfiff waren wir im Umschalten viel griffiger und auch gefährlicher. Ich finde schon, dass die Partie Derby-Charakter hatte, mit unseren Fans im Rücken, bei denen ich mich auch bedanken möchte. Das konnte man schon als Heimspiel bezeichnen. Die Jungs haben sich die ganze Woche darauf gefreut. Für uns war das heute ein Meilenstein. Nun schauen wir von Spiel zu Spiel und ich wünsche mir für die Truppe, dass am Ende der Saison der Aufstieg steht“, so der glückliche Übungsleiter der Finower, Dominic Wilke, im Nachgespräch. Sein Eberswalder Kollege, Christop Schirrmeister, war natürlich enttäuscht. „Wir haben heute leider die nötige Stabilität vermissen lassen. Gerade vor dem Tor fehlte uns die Klarheit. Hinten haben wir unnötige Fehler gemacht, die dann zu Gegentoren geführt haben. Wir sind eine sehr junge Truppe und mussten heute leider auch feststellen, dass es in solchen Spielen noch nicht ganz reicht.“

Schiedsrichter Björn Herkendell bildete mit seinen beiden Youngstern an der Seitenlinie, Jonathan Reinicke und Ben Burghause, eine homogene Einheit. Obwohl es die handelnden und passiven Personen mit dem Blick durch die Vereinsbrillen nicht verstehen werden, Björn Herkendell war ein guter und sehr souveräner Spielleiter. Trotz der Brisanz blieb die Begegnung im fairen Rahmen, woran er auch seinen Anteil hatte. Gerade seine ruhige Art in der Konfliktlösung, Ansprache und Dosierung der persönlichen Strafen passte zu diesem Spiel.

Die offizielle Statistik zur Partie findet man hier. (Hinweis: Die Torfolge im Spielverlauf des Online-Berichtes wurde falsch eingetragen!)

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