Under Observation in the Brandenburg League?

Es war am vergangenen Dienstagabend. Hingefläzt auf meiner geliebten Couch mit Blick in die Röhre „störte“ mich ein Handyklingeln, aus dem schlussendlich nach dem Blick auf den angezeigten Anrufer ein freudiges Gefühl wurde. Stefan Kotte, eine meiner engeren Fußball-Freunde, war am Ende der anderen Leitung. Wir hatten lange nichts voneinander gehört, bzw. auch nicht gesehen. Mir war bekannt, dass er als aktiver Schiedsrichter in seiner ihm zugeteilten Herren-Spielklasse, der Brandenburger Landesliga, den Platz an der Sonne anstrebt, was im Normalfall den sportlichen Aufstieg in die Brandenburgliga bedeuten sollte. Dieser Werdegang wird mit Schiedsrichterbeobachtungen begleitet, welche im Schlepptau ein Auswertungsgespräch nach Spielende und dann tagelanges Warten auf eine schriftliche Benotung der Leistung nach sich zieht. So weit, so gut. Stefan wollte mich in seiner kommenden Partie in der Landesliga Süd, SV Frankonia Wernsdorf gegen SV Wacker 09 Cottbus Ströbitz, dabeihaben, weil aus der Logik heraus, Richtung Saisonende, die Aufstiegskandidaten noch einmal besonders intensiv unter die Lupe genommen werden. Doch seine Wunschliste der moralischen Unterstützer konnte nicht ohne eine weitere Person geschlossen werden. Hannes, mein Sohn, als ehemaliger, von manchen als „knochenharter Beobachter“ in Erinnerung geblieben, sollte das Begleiter/Berater-Team komplettieren und ihm eventuell noch den oder anderen Tipp mitgeben.

Ich begleite Stefan, der Mitglied beim FSV Bernau ist, schon sehr lange in seiner Schiri-Karriere. In seinen Anfangsjahren war er nicht jedem sympathisch, zumindest in seiner Funktion als Referee. Dies muss man auch nicht sein. Als Spielleiter trifft man auf tausend Charaktere, es jeden recht zu machen und dabei Empathie zu erhaschen, ist fast unmöglich. Der Hauch der Arroganz, oft auf auch etwas darüber, ließ seinen Weg stottern und manche Spielleitung ins Negative manövrieren. Für mich in großer Erinnerung bleibt ein legendäres Paradebeispiel in einer Testspielbegegnung zwischen Zepernick und Joachimsthal. Es wurde geholzt, gemotzt, Gemüter-Köcheln ohne Ende. Stefan schaffte es, ohne eine persönliche Strafe auszukommen, mit dem Anschein des eingemeißelten Vorhabens unbedingt keinen Karton verteilen zu wollen. Er konnte froh sein, dass die Partie nicht noch mehr eskalierte und ein Ende ohne Schrecken nahm. Heute lachen wir darüber und wissen, dass man so nicht in Überheblichkeit Spiele leiten kann, eigentlich auch nicht darf. Ein Beobachter-Urteil wäre übrigens vernichtend gewesen. Nun sind die Jahre vergangen. Stefan ist als Schiedsrichter, aber auch menschlich, sehr gereift und hat sich zu einer Persönlichkeit entwickelt, der man vieles zu traut und vor allem auch gönnt. Ein winziger Hauch von Arroganz ist ihm geblieben, die braucht man aber auch als Spielleiter. Nur setzt Stefan dieses, ich nenne es jetzt „Wegtreten lassen“ gezielt und auch dosiert ein. Eines ist mir aber wichtig. Stefan, oft auch nur „Kotte“ genannt, darf man nicht nur an einer Charaktereigenschaft festmachen. Er hat eine sehr gute Entwicklung genommen, sich immer kleine Ziele gesetzt, ist Step By Step den Weg des Schiedsrichters bodenständig gegangen und steht nun kurz davor, sich sportlich für die Belegtage des Brandenburger Fußballs zu qualifizieren.

Dies soll keine Hommage an Stefan Kotte sein. Er ist „nur“ ein Vertreter von vielen Referees im Amateurbereich. Die Geschichte um die Partie in Wernsdorf soll auch mal zeigen, was Schiedsrichter, die leistungsorientiert unterwegs sind, im Spieltags-Alltag erleben können, wenn es dann mal um die eigene berühmte „Wurscht“ geht.    

LANDESLIGA SÜD, 26. Spieltag, SV Frankonia Wernsdorf – SV Wacker 09 Cottbus-Ströbitz 1:2

Ein Blick auf die Spielfläche, eine gute Stunde vor Spielbeginn, offenbarte verblichene, kaum noch sichtbare Begrenzungslinien. Für den Referee ein Grund schon vor dem Anpfiff aktiv zu werden und den Platzwart in die Pflicht zu nehmen. Die Vermutung, ein Schiri-Beobachter könnte zu gegen sein, bestätigte sich zu hundert Prozent. Auch er hatte sich über den mangelhaften Platzaufbau gewundert und war dann positiv gestimmt, als der Platzwart pünktlich zu Spielbeginn das Grün regelkonform hergerichtet hatte. Dass so ein wenig Schiri-Pech in der Luft lag, war dem geschuldet, dass die moderne Kommunikationstechnik, das so genannte Headset, seinen Betrieb verweigerte und somit das Spielleitungs-Team ins „Old-School-Amtieren“ zurückkehren musste. Die Partie brauchte keine Aufwärmphase. Die Gäste übernahmen gleich die Regie und die Begegnung entwickelte sich im Kräfteverhältnis, angepasst an das Tabellenbild (12. vs. 5. Platz). Doch für Cottbus-Ströbitz, die bis zur Strafraumgrenze geschmeidig im Kurzpassspiel unterwegs waren, wurde es gegen tief stehende Hausherren ein Anrennen ohne zielbringende Überzeugung. Halbchancen waren das Motto der Stunde, welche fast ausschließ ohne große Gefährlichkeit in den Händen von Frankonia-Keeper Florian Zosel endeten. Wernsdorf hingegen probierte es offensiv mit langen Bällen, die oftmals kaum erreicht wurden oder von der Gästeabwehr sicher in Empfang genommen wurden. Die erste nennenswerte Möglichkeit hatten die Gäste nach einem Eckball von der linken Seite für sich gebucht. Abnehmer der leicht abgefälschten Eingabe wurde Adrian Tschenz, dessen Geschoß dann aber doch recht klar neben dem Kasten im Aus landete (8.). Die Hausherren brauchten bis zur 14. Minute, um sich erstmals im Vorwärtsgang mit einer Chancen-Notiz anzumelden. Ein Flankenball, getreten von Aron Schäfer, landete punktgenau bei Mattis Reszat. Seinem Kopfball fehlte schlussendlich die Präzision, um Marius Weeke im Gästekasten zu überwinden. In der Folge schleppte sich die Partie. Wernsdorf verteidigte geschickt und ließ die Ströbitzer weiterhin ideenlos anrennen. Zwar kam Wacker immer wieder zu halben Möglichkeiten, mehr aber auch nicht. Eine unübersichtliche Situation außerhalb des Sichtfeldes des Schiedsrichters in der 41. Minute ließ die Emotionen hochkochen und eine Rudelbildung zur Folge haben. Ursache war im Vorfeld eine Revanche-Handlung vom Cottbusser Mykola Bryraiev, der sich wegen eines ungeahndeten Foulspiels dazu hinreißen ließ, seinen Gegenspieler Tornike Barbakadze absichtlich in den Rücken zu stoßen und ihn damit zu Fall zu bringen. Referee Kotte konsultierte seinen zweiten Assistenten Robin-Pascal Fischer mit dem Resultat, es bei einer Verwarnung für Bryraiev zu belassen.

Wer Hoffnung auf Besserung in der Spielqualität nach dem Wiederanpfiff hegte, wurde schnell enttäuscht. Cottbus-Ströbitz weiter im ergebnislosen Vorwärtsgang und Frankonia im Beton-Modus. Ein Flankenlauf der Gäste durch den eingewechselten Michael Kowal und dessen präzise Flanke bereitete den verdienten Führungstreffer vor. Dabei machte Heim-Torsteher Florian Zosel nicht die beste Figur, als er den Kopfball von Adrian Tschenz nicht so richtig zu greifen bekam und zu sehen musste, wie der Ball im Netz zappelte (51.). Der Ausgleich, den Gordon Teichert in der vorherrschenden Gemengelage fast aus dem Nichts erzielte, drückte der Partie in der Folge an einen ansehnlicheren Stempel auf. Ein langer Ball, der die Gästeabwehr praktisch aushebelte und ein Querpass auf Teichert, der in Stürmermanier einnetzte, ließ die Hausherren ausgiebig feiern (60.). Wernsdorf versuchte nun mit früherem Anlaufen den Gästen den Schneid abzukaufen. Dies gelang nur bedingt, weil den Hausherren in den sich nun bietenden Räumen ein wenig die Präzision in den Anspielen fehlte und so Hoffnungsvolles verpuffte. Die Gäste wackelten ein wenig, bekamen die Partie aber wieder in den Griff. Michael Kowal wurde dann in der 83. Minute zum Matchwinner seiner Ströbitzer Garde. Ein Angriff über die rechte Seite, der im Kombinationsmodus ohne spürbare Gegenwehr mit Raumgewinn am Fünfer endete, machte Kowal zum Torschützen, der praktisch vollkommen frei nur noch seinen Fuß hinhalten brauchte.

Ein paar Worte noch zum Referee Stefan Kotte und seinen Kollegen Lars Niels Anders und Robin-Pascal Fischer. Für das Team, welches unter offizieller Beobachtung stand, war die Partie von der Ansetzung her eine undankbare Begegnung. Spiele im Endspurt der Liga, in denen es um nichts mehr geht, können zum Rohrkrepierer für den Schiedsrichter werden. Denn in der Regel passiert in solchen Spielen wenig. Man kann als Schiedsrichter nur „verlieren“, weil es kaum Situationen gibt in denen man sich auszeichnen kann. Da fällt oft das Negative ins Gewicht. Und genau solch eine Partie hatte das Team zu bewerkstelligen. Nur wenige Begebenheiten konnten bewertet werden, so wie jene in der 41. Minute. Nüchtern betrachtet, hätte Mykola Bryraiev für sein Vergehen höher dotiert bestraft werden können. Dies ist nun mal nicht passiert. Stefan Kotte war im Gesamten gesehen sehr gut unterwegs, präsent, kommunikativ und zeigte auch viel Spielverständnis. Schiedsrichter zu sein, dies auch sportlich zu betreiben und nach Höherem zu streben, ist oft sehr glücksbehaftet. Man benötigt quasi passende Spiele und auch den passenden Beobachter. Letztere sind nebenbei erwähnt auch nur Menschen, genau wie die Schiedsrichter.

Die Statistik zur Partie findet man hier.      

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