LANDESLIGA NORD, 2. Spieltag, SV 1908 „GRÜN-WEISS“ Ahrensfelde – Birkenwerder BC 08 1:1

Der Jubel war riesengroß. Doch wer sich da überschwänglich und freudetaumelnd in den Armen lag, war der Aufsteiger aus Birkenwerder. Und dies auch irgendwie nicht unverdient. Mit einer disziplinierten und aufopferungsvollen Defensivleistung, die nicht jedem Fußball-Ästheten ein „Zunge schnalzen“ abverlangen wird, holt der Aufsteiger aus der Oberhavel einen Punkt und bleibt erst einmal, genauso wie der Staffelfavorit aus Ahrensfelde ohne Niederlage. Schon vor dem Spiel ließ die Aussage von BBC-Trainer Florian Glitza – „Ich habe alles an Bord, aber gegen solch einen Gegner wird es natürlich schwer.“ – erahnen, dass sein Team wohl verstärkt mit dem Betonmischer unterwegs sein werde. Sven Orbanke, als GWA-Verantwortlicher, musste zwar auf Vladimir Pestov und Alexander Kaatz verletzungsbedingt verzichten, zeigte sich aber entschlossen und frohen Mutes die Partie zu seinen Gunsten gestalten zu können. Vom Anpfiff weg gab es nur eine Marschrichtung. Und die bestimmte Grün-Weiss mit gefälligem Aufbauspiel. „Geduld und Spucke“ war nun angesagt und vor allem zündende Ideen. Doch an Letzterem haperte es. Zwar mutierte der Ballbesitz des Favoriten Richtung 80 Prozent, doch damit war schlussendlich kein Blumentopf zu gewinnen. Birkenwerder hingegen stand mit Fünferkette und defensiv ausgerichtetem Mittelfeld sehr sicher und hatte gerade bei hohen Bällen mit den eigenen großen Kerls nur wenig Probleme und kam selten in die Bredouille. Ein Freistoß, getreten vom Mittelkreis, brachte die erste gefährliche Gästemöglichkeit. Den hohen Ball verwertete Torgarant Ron Hass artistisch und hatte dabei Pech, dass ihm das Lattenkreuz im Wege stand. Den Nachschuss lud der Ex-Zepernicker Patrick Kain ab, doch auch dieser konnte abgewehrt werden (16.). Ahrensfelde agierte weiter vor dem Gästestrafraum in „Handball-Manier“ mit zeitweisem Powerplay, doch Zwingendes kam letztendlich nicht zum Tragen. Den größten Riesen im ersten Durchgang hatte Lamin Ceesay nach sehr guter Vorarbeit durch Robin Mansfeld auf den Schlappen, doch sein Schuss von der Strafraummitte landete kläglich in der zweiten Etage über dem BBC-Gehäuse (25.). Qualitativ konnte man den Auftritt der Heimtruppe schon als Augenweide bezeichnen, doch der Eindruck von sich einschleichender Lethargie bekam immer mehr Realität. Viel Quergeschiebe und die ein oder andere verpuffende Einzelaktion, ließen den Eindruck der Übermacht immer mehr schwinden. Versuche mit Schüssen aus der zweiten Reihe verpufften, bis auf den Versuch aus gut dreißig Metern von Foday Darboe, der das rechte Lattenkreuz touchierte (30.). Birkenwerder warf weiterhin alles rein und musste mit zunehmender Dauer dem taktischen „Defensiv-Verschiebe-Bahnhof“ schon etwas an konditionellen Tribut zollen. Trotzdem blieb man mit minimalen Nadelstichen nicht ungefährlich. Allein Birkenwerders auffälligster Akteur Moritz Reimann erkannte nach einem Ahrensfelder Ballverlust, dass GWA-Keeper Jan Glinker zu weit vor seinem Tor stand und zog von der Mittelline platziert ab. Doch Glinker bewies Sprintqualitäten und erreichte den Ball noch vor dem Netzeinschlag (41.). Florian Glitza hatte zum Wiederanpfiff den konditionellen Mangel einiger seiner Akteure erkannt und mit einem Doppelwechsel reagiert. Ahrensfelde kam nun noch mehr auf, den Makel der Ideenlosigkeit wurde die Truppe aber nicht so richtig los. Doch der Aufwand und die erzeugte Übermacht brachte dann den erlösenden Lohn. Foday Darboes Einzelaktion, mit dem Eindringen in den Strafraum und strammen Schuss, wurde schlussendlich zur Treffervorbereitung. BBC-Keeper Christian Mimietz konnte nur nach vorne abwehren, wo Lamin Ceesay der Ball vor die Füße sprang und er ohne Gegenwehr einnetzen konnte (51.). Die Folgezeit ließ GWA weiter am Drücker sein und auch den ein oder anderen Abschluss setzten. Ein einziger Fehler, der sonst sehr sattelfesten Heimabwehr, leitete den vielumjubelten Ausgleich ein. Thomas Illig, als letzter Mann der weitaufgerückten Abwehrfraktion, vertändelte die Kugel und musste letztendlich zuschauen, wie Dennis Dombert per Fernschuss Jan Glinker überwand, der damit nun gar nicht rechnend, auch zu weit vor seinem Kasten stand, um den Ball noch entscheidend abwehren zu können (72.). Die Zeit sprach nun gegen Grün-Weiss, und diese zählte fühlend immer schneller zu Gunsten der Gäste runter. Ahrensfelde offensiv und Birkenwerder defensiv, warfen nochmal alles in die Waagschale. Für die Gäste kam in der Folge die neue Auswechselregelung positiv zum Tragen, die mit insgesamt fünf frischen Kräften das ausgelaugte Personal ersetzen konnte. Grün-Weiss hatten die Chancen, wenn auch oft mit der Brechstange, der Partie noch einen positiven Beigeschmack zu geben. Doch mit vereinten Kräften schaffte Birkenwerder das unerwartete und nicht ganz unverdiente Remis, und dies auch aus Sicht von GWA-Trainer Jürgen Beyer. „Birkenwerder hat das schon clever gemacht mit ihren großen Kerls in der Abwehr. Eigentlich war das schon okay, wie meine Jungs heute agiert haben. In der ein oder anderen Situation hätte ich mir aber schon etwas mehr Abgebrühtheit gewünscht. Ich hoffe nur für die Zukunft, dass wir nicht in jedem Heimspiel so defensive Gegner haben.“ Sein Trainerkollege aus Birkenwerder, Florian Glitza, zeigte sich im Nachgespräch schon sehr stolz auf seine Jungs. „Ich bin ganz ehrlich, unsere Marschroute sollte schon auf ein 0:0 hinauslaufen. Nun ist es ein 1:1, damit kann ich auch sehr gut leben. Mit dem Ergebnis wird in der Liga wohl niemand gerechnet haben. Wir haben alles reingehauen, ich bin sehr zufrieden.“

Ahrensfelde: Jan Glinker – Leandro Rodriguez, Blenard Colaki (66. Steven Knörnschild), Sebastian Simon, Maximilian Hecker, Tilo Scheffler (66. Dominic Gesierich), Thomas Illig (81. Marc-Nelson Grzyb), Robin Manfeld, Lucas Nico Gurklys, Foday Darboe, Lamin Ceesay (81. Justin Lauterbach)

Birkenwerder: Christian Mimietz – Marius Marx (46. Steven Weigel), Ron Hass (82. Florian Mielke), Moritz Reimann, Pascal Dachwitz, Dennis Dombert, Andy Lehmann (46. Christopher Prußok), Tim Seidenspinner, Alexander Reischel (71. Eric Stephan), Kai Seidenspinner, Patrick Kain (71. Marco Noack)

Schiedsrichter: Andreas Donhauser (Königs Wusterhausen) gute Leistung

Zuschauer: 200

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