BRANDENBURGLIGA, 6. Spieltag, TSG Einheit Bernau – SV Zehdenick 1920 4:3

„Spitzenreiter, Spitzenreiter“ war der Schlachtgesang im Siegestaumel der Bernauer kurz nach Spielschluss. Dies traf zu, hatte aber im Spielverlauf in einigen Phasen an Bedeutung verloren. Es war eine emotionale und hart umkämpfte Partie, die die 93 zahlenden Zuschauer da präsentiert bekamen. „Für mich war das ein ganz normales Spiel, was hier Emotionen verursacht hat, war der Spielverlauf“, erklärte Bernaus Trainer Nico Thomaschweski kurz nach Spielende seine Sichtweise zu den eigenen Gefühlsregungen. Seine Spieler und auch seine Kollegen aus dem Betreuerstab würden dies wohl etwas anders sehen. Aber dazu später mehr.

Die Partie begann intensiv und mit reichlich Denkaufgaben für die Hausherren. Denn Geduld war gefragt und auch Ideen, um dem Empfangskomitee der Gäste an der Mittellinie irgendwie zu zusetzen. Das erste Mal brannte es im Einheit-Strafraum in der 13. Minute nach einem Eckball, als sich die Abwehrfraktion und auch Keeper Steve Jarling nicht als, im wahrsten Sinne des Wortes, Einheit präsentierten und schon etwas Glück hatten, dass der Gästekopfball im Toraus landete. Praktisch sechzig Sekunden später kam die Heimelf durch Fabian Buzdayev zum ersten Torschuss, welcher für den Gäste-Keeper Pawel Mariusz Kosarzecki dann doch leichte Beute wurde. Mit dem nächsten Standard, wieder ein Eckball, fiel die Gästeführung. Dabei sah die Heimabwehr wieder nicht gut aus, schaffte es einfach nicht das Spielgerät konsequent zu entfernen und hatte dann noch Pech, als Sam-Rene Bartz zum Eigentorschütze wurde (16.). Zehdenick machte vieles gut, tat aber im Endeffekt nicht wirklich viel fürs Spiel. Ein langer Ball mal hier und noch ein langer Ball mal dort, war die sichtbare Strategie den Tabellenführer zu ärgern. Hinzu kamen Eckbälle, die den Hausherren im Endeffekt beim Verteidigen die meisten Probleme bereiteten. Den ersten kleinen Aufreger, aus Bernauer Sicht, brachte das Foulspiel an Sam-Rene Bartz, der in der linken Gästestrafraumseite mit deutlich hörbaren „Klappern“ von den Beinen geholt wurde und danach fragend zum Referee blickte und eine abwinkende Antwort bekam (21.). Eine kurz ausgeführte Ecke brachte dann das 0:2. Und wieder konnte Einheit nicht den entscheidenden und konsequenten Zugriff in die Szenerie setzen und musste schlussendlich zusehen, wie Marcin Krystek am langen Pfosten vollkommen frei, das Anspiel nutzte und den Ball ins Netz drückte (27.). Die Partie zog nun etwas an. Ein schon recht rüdes Foul von Gästespieler Enes Cakir, der mit offener Sohle zu werke ging, bestrafte der Referee zwar mit Gelb, lies aber in der Folge etwas an Konsequenz vermissen. Auch auf den Trainerbänken begann nun der verbale Schlagabtausch, der sich auch so ein wenig aufs Spielfeld verlagerte. Der Bernauer Anschlusstreffer, der mit dem zweiten Versuch dann schlussendlich im Tor lag, brachte Einheit besser ins Spiel. Erst scheiterte man am Gästekeeper. Beim Abpraller nahm dann Paul Peschke genauer Maß und hatte dabei etwas Glück, dass die Kugel leicht abgefälscht im rechten unteren Eck einschlug (32.). Die Begegnung hatte nun Rasse und Leidenschaft, und der Kampf hatte endgültig Einzug gehalten. Den nächsten Aufreger brachte wieder eine Szene im Gästestrafraum. Ein Zweikampf, der bis an die rechte Torauslinie ging und für Artur Sajfutdinov mit einem Sturz endete, weil er klar umgestoßen wurde, war scheinbar nicht genug für eine Strafstoßentscheidung (35.). Als sich dann alles schon für den Gang in die Kabine vorbereitete, schlug der Tabellenführer nochmal zu. Paul Peschke hatte sich auf der linken Seite durchgesetzt und eine passgenaue Flanke in den Strafraum gebracht. Dort stieg Maximilian Walter am höchsten und nickte die Kugel vielumjubelt zum Ausgleich ein (44.).

Mit dem Wiederanpfiff merkte man den Hausherren schon, dass hier weiterhin ein Dreier auf der Agenda stehen musste. Trotzdem blieb die Begegnung sehr Mittelfeld lastig und recht chancenarm. Zehdenick holte nun mit Szymon Sidorowicz als Einwurf-Spezialist, der bis zum Elfmeterpunkt werfen konnte, einen nicht unwichtigen Faktor ins Angriffsspiel. Und dies hätte sich in der 56. Minute fast ausgezahlt, als sein Kollege Marcin Krystek per Kopf zur Stelle war und den Ball ans rechte Lattenkreuz nagelte. Der Jubel kannte dann keine Grenzen, nachdem Artur Sajfutdinov die Anzeigetafel auf Heimsieg gedreht hatte. Der Diagonalball, geschlagen kurz vor der Mittellinie durch Fabian Buzdayev, war so gut getimt, dass der Schütze kaum Probleme hatte eine Torerzielung daraus zu machen (61.). In der Folge passierte vor beiden Toren nur noch wenig Zwingendes. Zwar warf Szymon Sidorowicz seine Einwurf-Geschosse immer noch in den Bernauer Strafraum, doch hatte sich Einheit inzwischen darauf eingestellt und verteidigte das ganze Geschehen nun sehr souverän. Der Eindruck, dass für die TSG nicht mehr viel anbrennen sollte, wurde durch den Pfiff des Schiedsrichters abrupt unterbrochen. Ein Laufduell, bei dem Marcin Krystek im Strafraum zu Fall kam, weil ihm in die Hacken getreten wurde, brachte Zehdenick zurück in die Partie. Rodger Bruse übernahm die Verantwortung und versenkte das Spielgerät rechts unten, wo auch Steve Jarling hin abgetaucht war. Er hatte die Finger zwar dran, konnte den Ausgleich aber nicht verhindern (83.). Die Schlussphase wurde nun nochmal hektisch. Bernau wollte unbedingt als Sieger vom Platz gehen und schaffte dies auch. Die 93. Minute war angebrochen. Einen langen Einwurf in den Strafraum bekamen die Gäste nicht konsequent geklärt. Nach mehreren Zwischenberührungen landete der Ball bei Fritz Söllner, der schlussendlich mit seinem Treffer eine Jubelarie einleitete, welche schon stark an eine vorgezogene Meisterschaft erinnerte. „Wir haben unsere Stärken in der Anfangsphase der Partie nicht richtig einbringen können und wussten, dass Zehdenick großes Vermögen bei Standards hat, was ja auch zu Toren geführt hat. Im Endeffekt bin ich zufrieden und ich denke wir haben verdient gewonnen“, so das Statement des Bernauer Übungsleiters.

Einheit Bernau: Steve Jarling – Julian Graf, Paul Peschke, Fritz Söllner, Maximilian Walter, Sam-Rene Bartz, Fabian Buzdayev, Florian Klose (76. Alexander Braun), Viachelav Veybert (60. Tom Stedtler), Tom Schneider, Artur Sajfutdinov (76. Lucas Müller)

Zehdenick: Pawel Mariusz Kosarzecki – Joan Völker, Enes Cakir, Szymon Sidorowicz, Lauritz Lange (60. Dustin Bergner), Eric Nowak, Rodger Bruse, Lucas Karbe, Marcin Krystek, Benjamin Brandt (67. Stefan Kerl), Louis Mischor

Schiedsrichter: Max Stramke (eher zurückhaltend und unauffällig, machte sich aber bei Entscheidungen rund um den Elfmeterpunkt das Leben selber schwer)

Zuschauer: 93

3 Gedanken zu “BRANDENBURGLIGA, 6. Spieltag, TSG Einheit Bernau – SV Zehdenick 1920 4:3

  1. Werter Herr Rasenballsport,

    wenn Sie die subjektive rosarote Barnim-Brille abgesetzt hätten, dann hätten sie ein Spiel zweier Mannschaften auf Augenhöhe gesehen. Ihre Antipartie gegenüber der Zehdenicker Fans (die haben wenigstens welche, nicht so wie die TSG oder GWA), dann könnte man objektiv dazu kommen, dass es ein Spiel gleichwertiger Mannschaften war. Bernau war der glückliche Sieger. Ist uns auch egal. Wir putzen den Mund ab und holen woanders unseres Punkte. Beste Grüße vom Pöbel aus Zehdenick

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    1. Rosarot wäre die falsche Farbe gewesen, wenn dann grün, so war nämlich die Trikotfarbe des Gastgebers. Und so manchmal gehen Sichtweisen halt auseinander. Interpretationen ebenfalls. Das ist nun mal so in unserer Gesellschaft …

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