LANDESKLASSE NORD, 8. Spieltag, SG Einheit Zepernick – SC Victoria 1914 Templin 0:2

Auf der einen Seite traurige und versteinerte Gesichter, auf der anderen Seite der feiernde Neu-Tabellenführer aus Templin, so stellte sich die Gemütslage der beiden Kontrahenten im Spitzenspiel kurz nach Spielende dar. Zepernicks Trainer Lucio Geral blieb aber gefasst in seiner Analyse zum Spiel und sah den Gästeerfolg als durchaus verdient an. “Zu den ersten 45 Minuten würde ich wieder mal sagen, dass wir in einem Prozess sind. Uns fehlte die Leidenschaft und auch einige Spieler waren zu ersetzen. Dann der Gedanke, dass man dies schon irgendwie hinbekommt. Diese Selbstverständlichkeit reicht nun mal nicht, auch nicht für diese Liga.“

Mit viel Sicherheitsfußball stiegen beide Vertretungen in die Partie ein. Das Fehlen von Kevin Maek, der urlaubsbedingt fernblieb, merkte man dem Auftritt des bis dato Tabellenführers schon an. So wurde viel hinten quer gespielt und kaum Tempo aufgenommen. Templin, die im Übrigen vor der Saison niemand so richtig auf dem Zettel hatte, agierte in den Anfangsminuten auf Augenhöhe, musste aber mit zunehmender Dauer die Demarkationslinie immer weiter in die eigene Hälfte zurückverlagern. Das erste Rauchzeichen der Hausherren hätte Marinko Becke setzen können, nach dem er per Querpass von Jerome Ehweiner an der Strafraumgrenze angespielt wurde. Doch Becke hatte Pech, dass ihm die Kugel über den Spann rutschte und folgend klar im Aus landete (12.). Max Gerhard versuchte es dann mal aus der zweiten Reihe, doch auch sein Geschoß verfehlte der Kasten um einiges (18.). Die Gäste hingegen standen hinten sicher. Gerade die langen Kerle, die bei Flanken die Lufthoheit lebten, machten den großen Unterschied aus. Genauso wie bei den Standards im Zepernicker Strafraum. Denn genauso eine Möglichkeit brachte das 0:1. Ein Eckball, sehr präzise in den Strafraum gezirkelt, erreicht Templins Torgarant Johannes Collin, der sich im Kopfballduell durchsetzte und das Spielgerät fast unhaltbar einnetzte (26.). Zepernick war nun gefordert. Doch allzu viel kam dabei nicht rum. Und was der Truppe nun auf die Füße fiel, war der von ihrem Trainer angesprochene noch nicht beendete Prozess, mit der Selbstverständlichkeit und dem „das kriegen wir schon irgendwie hin“. Dass es mit dem Nervenkostüm situationsbedingt auch nicht zum Besten bestellt war, zeigten einige Diskussionsrunden mit dem Schiedsrichter. Jerome Ehweiner zum Beispiel, bekam sich wegen einer Belanglosigkeit kaum ein und holte sich dafür absolut verdient den gelben Karton ab (29.). Die Partie zog nun etwas an, wurde dadurch intensiver und auch hektischer. Zwar hatte Einheit noch das Übergewicht im Mittelfeld und wenn dann mal etwas Richtung Gästetor ging, hatte Schiedsrichterassistent Max Steiner etwas dagegen, weil er fast immer eine Abseitsstellung sah. Dass er dabei augenscheinlich nicht immer richtig lag, ließ weitere Gesprächstermine entstehen. „Alibi-Fußball“ war der Begriff, der über dem Auftritt der Heimtruppe schwebte und sicherlich zum Thema der Kabinen-Predigt wurde. Auf Gästeseite konnte man mit dem Halbzeitergebnis durchaus zufrieden sein, weil man ja, bis auf die geringen Offensivbemühungen, alles richtig gemacht hatte.

Dass Lucio Geral scheinbar die richtigen Worte gefunden hatte, merkte man der Truppe zum Wiederanpfiff spürbar an. Da war sie die Leidenschaft, die der Einheit immer abgesprochen wurde. Für Victoria bedeutete dies nun, dass man ebenfalls noch mindestens 45 Minuten Leidenschaft und Hingabe benötigte, um den Dreier eintüten zu können. Es wurde ein Kampfspiel mit leicht spielerischer Note, letztes ausgehend von den Hausherren. Lesley Park eröffnete den Torschuss-Reigen, als er Gästekeeper Philipp Leipoldt aus der zweiten Reihe prüfte und dieser mit sehenswerter Flugeinlage parierte (54.). Der Druck war schon immens, den Zepernick zeitweise zelebrierte. Torschussversuche gab es genügend, doch immer war ein Gäste-Körperteil dazwischen. Nach gut einer Stunde ebbte der Druck etwas ab und Templin kam zum leichten Durchatmen. Einheit ließ aber nicht locker und versuchte vieles. Besonders das Schema „F“, welches Marinko Becke mit seinen durchschaubaren Flanken aus dem rechten Halbfeld produzierte, blieb komplett ohne Erfolg. Als dann Luca Grabarek am überragend reagierenden Leipoldt scheiterte (71.) und der eingewechselte Thiemo-Jerome Kialka seine Kopfballverlängerung an den Pfosten setzte (75.), wurde es schon klar, dass es mit einem Erfolg enge werden könnte. Das Fußball fürs Gemüt ein gnadenloser Sport sein kann, zeigte der Gästekonter in der 81. Minute, den Maciej Piotr Czyzewski zum vielumjubelten 0:2 abschloss. Die Hoffnung der Zepernicker war noch nicht begraben. Allein Lesley Park hatte bis zum Schlusspfiff noch dreimal die Möglichkeit der Begegnung noch eine Wende zu geben, schlussendlich sollte es aber nicht sein.

„Wir haben schon sehr glücklich gewonnen. Gerade wenn man die zweite Halbzeit sieht. Da kommen wir einmal vor das Tor und machen den Sieg perfekt. Trotzdem Hut ab vor der Leistung von Zepernick. Das war heute schon David gegen Goliath. Vor der Saison haben wir auch nicht damit gerechnet, dass es so gut läuft. Wir sind jetzt auf einer Erfolgswelle, da ist vieles möglich, wie man sieht“, so der überglückliche Templiner Mannschaftskapitän Johannes Collin auf dem Weg zum Partiekreis mit seinen Kollegen.

Lucio Geral sah im Nachgespräch auch positive Ansätze. „Meine Ansprache in der Halbzeit war klar und deutlich. Dann ist die Mannschaft auch so rausgekommen, wie ich es mir von Anfang gewünscht hätte. Schlussendlich hat uns aber die Konsequenz und der unbedingte Wille gefehlt, die Tore machen zu wollen. Dies war heute wieder ein Fingerzeig. Wir benötigen hundert Prozent und das jede Woche.“

Zepernick: Dennis Tietz – Eric Woiton, Alexander Rathmann, Eric Schneider (83. Max Gronski), Jerome Ehweiner (72. Thiemo-Jerome Kialka), Marinko Becke, Luca Grabarek, Max Gerhard, Philip Opitz, Patrick Toepfer, Fabian Plehn (37. Lesley Park)

Templin: Philipp Leipoldt – Oswald Proenca, Lukas Trapp, Johannes Collin, Lukasz Piasecki, Florian Eisner (24. Alex Lapot), Markus Schauseil, Christoph Barth, Maciej Piotr Czyzewski (89. Dominik Schmidt), Andre Mützelburg, Tomasz Adam Miksa

Schiedsrichter: Tobias Behm (mit einigen Ecken und Kanten in seiner Zweikampfbewertung, agierte aber in den „anstrengenden“ Phasen ruhig und gelassen)

SRA 1: Marius Pröchtel

SRA 2: Max Steiner

Zuschauer: 181

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