Erinnerungen werden wach und irgendwie legendär …

Es wird schon wieder viel gesprochen und auch geschrieben über das unvergessliche 9:1 vom „ewigen Rivalitäts-Duell“ zwischen Grün-Weiss Ahrensfelde und Fortuna Glienicke. Morgen, Samstag, den 23.10.2012 um 15 Uhr ist es wieder soweit. Und wieder ist es eine Begegnung von höchster Brisanz, denn Ahrensfelde als Liga-Primus hat den nicht minder ambitionierten alten Rivalen aus Glienicke zu Gast. „Erster gegen Zweiter“ könnte die Überschrift lauten. Und wenn man ganz ehrlich ist und das Ganze sehr nüchtern und neutral betrachtet, könnte der „FC Bayern“ aus Ahrensfelde mit einem Dreier die Weichen schon ganz extrem Richtung Aufstieg zur Verbandsliga stellen. Aber davon werden die Verantwortlichen Sven Orbanke und Jürgen Beyer, und auch Abteilungsleiter Maik Pruschke noch gar nicht sprechen wollen. Wer kann es ihnen verdenken, denn es sind vor der morgigen Begegnung erst acht Spiele absolviert und da wird man sich noch nicht so weit aus dem Fenster lehnen wollen.

Ich persönlich freue mich schon riesig auf das Spiel und hoffe, egal mit welchem Ausgang, eine rassige, leidenschaftliche und vor allem faire Partie zu erleben. Nichts wäre schlimmer, als wenn man den berühmten „Mantel des Schweigens“ über das Erlebte legen müsste.

Liebe Glienicker, Ihr mögt es mir nachsehen, aber solch ein fußballerisches „Relikt“ lässt sich nun mal nicht gänzlich aus den Köpfen verbannen. Es liegt auch an Euch eventuell ein Neues zu schaffen.

Vorab und zur Einstimmung habe ich mal ganz tief in meinem Archiv gegraben, den Bericht der legendären Partie und ein paar Fotos von damals gefunden und hier noch einmal zur Veröffentlichung gebracht.

LANDSESKLASSE NORD, Saison 2017/18, 10. Spieltag (04.11.2017): SV 1908 „GRÜN-WEISS“ Ahrensfelde – BSC Fortuna Glienicke 9:1

Noch lange nach Spielende leuchtete das 9:1 an der Anzeigetafel, als hätte Ahrensfelde historisches vollbracht. Über hundert Zuschauer erlebten eine Werbung für den Landesklassenfußball mit einer Barnimer Vertretung, die genau wusste, was bei einer Niederlage passieren hätte können, dies als Leitfaden verinnerlichte und dem immer noch Tabellenersten schmerzlich anzeigte, dass im Titelrennen noch lange keine Vorentscheidung fallen werde. „Man ist einfach stolz auf die Truppe, ein rundum gelungener Samstagnachmittag.“ fasste Ahrensfeldes Verantwortlicher Sven Orbanke seine Gefühle zusammen und schien irgendwie ein wenig fassungslos. Sein Gegenüber Sascha Flemming war nicht minder platt: „Wir sind schon enttäuscht, vor allem bei der Höhe des Ergebnisses. Verlieren kann man, aber die Art, das tut schon weh.“ Dabei hatte Glienicke den Hausherren schon nach drei Minuten durch Pascal Müller die moralische Keule verpasst. Eine unglückliche Querpassaktion von Vladimir Pestov landete genau bei Müller, der alleine unterwegs Ahrensfeldes Torsteher Florian Brüggemann nicht die Spur eine Chance ließ und seinen 14 Saisontreffer markierte. Doch Grün-Weiss brachte der Treffer nicht aus dem Konzept. Mittelfeldstratege und „Sechser“ Christoph Zimdahl („Heute mein bester Mann!“ O-Ton Sven Orbanke) kurbelte weiter die Angriffswellen seiner Mannschaft an und schaffte damit eine klare Präsenz, die aber noch oft an der Strafraumgrenze endete. Ahrensfelde spielte mit Leidenschaft, eine Tugend, die in der Vergangenheit nicht immer mit an Bord war, benötigte dabei schon etwas Geduld und konnte in der 16. Minute durch Foday Darboe endlich den hochverdienten Ausgleich bejubeln. Darboe hatte sich bis auf die rechte Grundlinie durchgespielt und von dort aus einfach mal abgezogen. Glienickes Keeper Nikola Siljanoski, wohl mit einem Rückpass rechnend, sah bei seiner Abwehrreaktion nicht gut aus und bugsierte schlussendlich die Kugel in den eigenen Kasten. Ahrensfelde hatte jetzt endgültig den Finger aus der Steckdose gezogen und die volle Ladung in Angriffslust investiert. Der Pfiff des guten Schiedsrichters Philip Kublank und seine Bewertung des Fouls an Stephan Baum im Fortunen-Strafraum und folgerichtig auf den Punkt zu gehen, brachte das Gästeteam auf die Palme. Blenard Colaki dürfte zweimal ran, weil der erste Elfer wohl nicht regelkonform ausgeführt wurde, blieb bei beiden Versuchen aber klarer Sieger und beförderte sein Team in den verdienten Führungsstatus (32.). Glienickes Rezept, Konter zu fahren, mit dem wartenden Müller an der Abseitskante, hätte fast den Ausgleich gebracht. Doch dem Goalgetter fehlte die Kaltschnäuzigkeit um GWA-Keeper Florian Brüggemann zu überwinden (38.). Das 3:1 durch Thomas Illig, erzielt per Kopfball nach einer Ecke, präsentierte dann auch die wahren Kräfteverhältnisse in der Abrechnung des ersten Durchganges.

Grün-Weiss hatte nach Wiederanpfiff die Begegnung weiter im Griff, traf jetzt aber auf einen BSC der noch einmal alles versuchte, um der der Partie eine Wende zu geben. Doch dem Vorhaben fehlte die Struktur und vor allem Torgarant Pascal Müller, der zwar noch dabei war und den einen oder anderen Treffer hätte markieren können, aber im Abschluss sehr unglücklich agierte. Die Tore machte das Heimteam und bereitete diese größtenteils in einer Augenweide glänzend vor. Blenard Colaki belohnte sich mit dem 4:1 als nimmermüder Strafraumkämpfer (59.) und machte für sein Team wohl endgültig den Deckel drauf. Die Folgezeit präsentierte eine Ahrensfelder Gala und leider für die Gäste ein unvermeidbares Schlittern ins Debakel. Vladimir Pestov traf noch zweimal (70., 84.), Foday Darboe, absolut sehenswert mit zentralem Schuss aus 18 Metern (81.), Stephan Baum per Strafstoß (82.) und schlussendlich der eingewechselte Felix Grünwald zum 9:1 (88.).

„Der Offensivbereich war heute schon Klasse, man sieht wie viele verschiedene Torschützen wir haben. Wir müssen aber auf den Boden der Realität zurückkommen. Jeder Gegner will uns weh tun, wir wissen aber was wir können und müssen dies konstant auf den Platz bringen. Dann werden wir auch aufsteigen.“ brachte es Sven Orbanke nach Spielende auf den Punkt. Viel Aufbauarbeit hat der Glienicker Trainer Sascha Flemming vor sich: „Wir haben viele angeschlagene Spieler und müssen uns erst einmal davon erholen. Der Stachel der Enttäuschung über die heutige Niederlage steckt bei uns schon sehr tief. Und nächste Woche im Pokal müssen wir nach Bötzow, die haben noch eine Rechnung mit uns offen.“

Auch Ahrensfelde möchte am kommenden Sonntag eine Runde weiterkommen und muss beim Kreisoberligisten SV Rüdnitz/Lobetal antreten.

Ahrensfelde: Brüggemann, Kaatz, Zimdahl, Vlach, Baum (82. Grünwald), Grzyb, Kühne (46. Pogosjan), Darboe, Pestov, Illig, Colaki (68. Riegel)

Glienicke: Siljanoski, Kadow, Peters, Schulze (63. Hartmann), Müller, Mavula, Bubner, Olbrich (32. Kummer, 75. Henkelmann), Guthmann, Ciao, Puhlmann

Schiedsrichter: Philip Kublank

Zuschauer: 100

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