LANDESLIGA NORD, 9. Spieltag, SV 1908 „GRÜN-WEISS“ Ahrensfelde – BSC Fortuna Glienicke 1:1

Die weiße Weste des Staffelfavoriten aus Ahrensfelde hat ein schwarzes Fleckchen bekommen, muss aber mit diesem Makel erst einmal noch nicht in die Liga-Waschmaschine. Denn der punktuelle Abstand zum bis dato größten Ligakonkurrenten aus Glienicke, beträgt weiterhin sieben Punkte. Trotzdem sollte man auch das Team von Stahl Brandenburg im Auge behalten, welche ein Spiel weniger in der Rechnung haben und in der Lage wären auf fünf Zähler heranzurücken.

Die Partie, in der besonders im ersten Durchgang die Vorgaben von der Taktiktafel umgesetzt wurden, begann sehr verhalten und abtastend. Es war das so oft genannte „komische Spiel“, in dem beide Kontrahenten diszipliniert das Augenmerk in die kontrollierte Offensive legen, dabei versuchen ohne Fehler auszukommen und auf diese im Gegenzug warten. Doch die Fehlerquote blieb gut zehn Minuten gering, ehe Steven Knörnschild nach einer Flanke das Zählwerk der Torabschlüsse mit strammen Schuss anschubste. Fünfzehn Minuten waren dann ins Land gegangen und Grün-Weiss übernahm so ein wenig die Regie. Glienicke hingegen, hatte mit dem quirligen und stets gefährlichen Justin Hippe einen Akteur in ihren Reihen, der im Vorwärtsgang den Unterschied ausmachte und kaum zu stellen war. So endete die erste Möglichkeit der Gäste zwar mit einem Abseitspfiff, aber auch mit der Erkenntnis, warum Fortuna ebenfalls zum absoluten Favoritenkreis der Liga gehört (16.). Nur eine Minute später wäre ein Gäste-Eckball dann fast zum Bumerang geworden. Den Konter, bei dem Lukas Nico Gurklys fast bis zur Grundlinie durchgelaufen war und zurückpasste, vereitelte Gästetorsteher Jeffrey Kräft mit sicherer Parade. Auch Ahrensfelde hatte in den eigenen Reihen einen Spieler, den man herausheben musste. Und dies war Manuel Schmiedebach. Er investierte seine ganze Erfahrung in den Auftritt seiner Kollegen, spielte sehr präzise Pässe in die Schnittstellen und war sich oft auch nicht zu schade, in die manchmal recht unangenehmen Zweikämpfe zu gehen. Gerade die Auseinandersetzungen mit Justin Hippe mutierten dabei zur Augenweide. Ein schneller Vorstoß der Glienicker brachte deren erste nennenswerte Möglichkeit. Schlussendlich war es dann Justin Hippe, der in der Ahrensfelder Defensive hängenblieb (19.). Mitte der Halbzeit regierte auf beiden Seiten immer noch die taktische Disziplin, ohne den Anschein der Bereitschaft das Visier endlich herunterzulassen. Erschwerend für den Spielfluss kam noch hinzu, dass Schiedsrichter Niklas Wiese keine klare Linie verfolgte, einige Male recht kleinlich agierte und somit den Willen beider Vertretungen, Fußball ohne Umschweife spielen zu wollen, unterband. Nach dreißig Minuten mit intensiven Zweikämpfen im Mittelfeld hatte sich Fortuna wieder zur Augenhöhe zurückgekämpft. Aber genau zu diesem Zeitpunkt lag mit einer Situation die Führung der Hausherren in der Luft. Dabei brannte es im Gästestrafraum lichterloh und es brauchte die volle körperliche Hingabe und Konsequenz, um die doch recht platzierten Geschoße von Julian Hentschel und Sebastian Simon abzuwehren. Auch die Möglichkeit durch Lukas Nico Gurklys, der den Ball von Steven Knörnschild aufgelegt bekam, hatte den Hauch einer Hundertprozentigen. Letztendlich traf er das Spielgerät nicht richtig und musste zusehen, wie die Kugel eindeutig im Aus landete (34.). Im psychologisch wichtigen Moment schaffte Grün-Weiss dann doch noch die Halbzeitführung. Ein langer Ball nahm den Weg zu Steven Knörnschild, der seinen Gegenspieler im Zweikampf und dem darauffolgenden Laufduell abschüttelte. Knörnschild behielt die Ruhe und lies mit platziertem Schuss Jeffrey Kräft keine Möglichkeit zur Abwehr (44.).

Patrick Hamel, der wegen einer Erkältung unter der Woche nicht trainieren konnte und deshalb nicht zum Aufgebot gehörte, sah im ersten Durchgang schon eine spielerisch stärkere Fortuna, musste aber auch zugeben, dass die Führung seiner Kollegen auf Grund der besseren Möglichkeiten nicht unverdient war. Die Qualität der Gäste kam nach Wiederbeginn noch mehr zum Tragen. „Wir wollten schon so weitermachen und dabei geduldig bleiben,“ hatte Fortuna-Coach Sascha Flemming seine weitere Marschroute aus der Pausenansprache erklärt und sah in der Folge eine wesentlich agilere Partie, welche nun immer mehr dem Aufmacher eines Spitzenspiels näherkam. Die 56. Minute war dann der Zeitpunkt, dem man getrost als Knackpunkt bezeichnen konnte. Ein langer Ball Richtung Ahrensfelder Tor und ein herauslaufender Mateusz Daniel Mika, der den heransprintenden Gästestürmer sah und zur Abwehr des Balles außerhalb des Strafraumes beide Hände benutzte, musste sich mit voller Konsequenz den roten Karton des Referees zeigen lassen. „Sicherlich ein Bärendienst, ich weiß auch nicht, ob das so richtig von Nöten war,“ war die Sichtweise von GWA-Trainer Sven Orbanke zum Fauxpas seines Schützlings. Für den Übeltäter musste nun zusätzlich ausgewechselt werden. Alexander Kaatz musste runter, dafür rückte Youngster Hugo Paschen zwischen die Pfosten. Doch sein Debüt hätte nicht schlimmer beginnen können. Denn den fälligen Freistoß setzte Ümit Ejder an den rechten Pfosten und beim Abpraller war dann Riccardo Ciao mit dem Kopf zur Stelle und hatte dabei keine Mühe die Kugel über die Linie zu drücken (57.). Die Folgezeit präsentierte dann eine Rasse-Partie, die man sich irgendwie mit Spielbeginn erhofft hatte. Doch die Leidenschaft und der Wille mehr mitzunehmen, ging in dieser Phase hauptsächlich von den Gästen aus. Dabei spielte die Qualität des Justin Hippe die größte Rolle und brachte den Staffelfavoriten stark ins Wanken. So war Hippe an fast jedem Abschluss beteiligt, schlussendlich aber ohne Fortune. Mit den Riesenmöglichkeiten durch Julian Hentschel, der erst an Jeffrey Kräft scheiterte und in gleicher Minute seinen Schlenzer an die Querlatte nagelte, hätte Grün-Weiss den Gästebemühungen einen großen Dämpfer geben können (73). Aber auch Justin Hippe, der in der 76. Minute eine Großchance übers Tor versemmelte, wäre in der Lage gewesen den Ausgang der Partie Richtung Auswärtssieg zu schieben. Schlussendlich flimmerte nach einer fünfminütigen Nachspielzeit das 1:1 an der Anzeigetafel, mit dem beide Trainer gut leben konnten. „Wir sind schon happy über den Punkt. Im Nachhinein betrachtet, mit einem Mann mehr, wäre sicherlich mehr drin gewesen. Die Chancen waren da, aber wir hätten das Spiel auch verlieren können. Ich denke, das ist schon gerecht,“ so die Sichtweise zur Partie von Gäste-Übungsleiter Sascha Flemming. Sein Gegenüber, Sven Orbanke, sah dies in seiner Analyse ähnlich. „Letztendlich ein gerechtes Resultat. Das war hier heute sicherlich kein Leckerbissen von uns. Aber wir müssen das Spiel eigentlich in der ersten Halbzeit für uns entscheiden. Hintenheraus haben wir dann auch etwas Glück. Mit dem Punkt können wir aber gut leben.“   

Ahrensfelde: Mateusz Daniel Mika – Sebastian Simon, Alexander Kaatz (56. Hugo Paschen), Julian Hentschel (86. Tilo Scheffler), Blenard Colaki, Steven Knörnschild (69. Dominic Gesierich), Leandro Rodriguez Weber, Manuel Schmiedebach, Tim Lenzen, Robin Mansfeld, Lucas Nico Gurklys (69. Justin Lauterbach)

Glienicke: Jeffrey Kräft – Mohammed Mustafa Acar, Yves Küllmei, Fabian Schulze, Justin Hippe, Jamill Charles Mavula, Lenny Canalis Wendel, Ümit Ejder, Jannik Pfaender (86. Tom Metzlaff), Pierre Henkel, Riccardo Ciao

Schiedsrichter: Niklas Wiese (reagierte oft zu zaghaft und machte sich dadurch immer angreifbar)

SRA 1: Michel Sieh

SRA 2: Krzysztof Pawlisiak

Zuschauer: 180

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