BRANDENBURGLIGA, 11. Spieltag, TSG Einheit Bernau – TuS 1896 Sachsenhausen 3:3

„Der Tabellenführer, die Stars von Morgen, die TSG Einheit Bernau“, so begann der Stadionsprecher seine Offerte zum Spitzenspiel in der Brandenburgliga und sorgte damit schon bei einigen Anwesenden für ein grinsendes Kopfschütteln. Das was dann aber auf den Anpfiff des Berliner Schiedsrichters Sebastian Hornig folgte, war Spitzenfußball ‚par excellence‘. Es wurde eine Begegnung zweier Teams, welche mit absolutem Recht das Prädikat „Oberstes Regal der Liga“ tragen dürfen. Aufwärmphase war für beide Vertretungen ein Fremdwort, die Visiere wurde sofort heruntergelassen und Vollgas gegeben. Rasse, Leidenschaft, spielerische Intelligenz und körperliches Knowhow waren die Attribute, die das Spiel prägten, welches keine Sekunde Unaufmerksamkeiten erlaubte. Mit der eigentlich ersten Möglichkeit für die Hausherren fiel auch das 1:0. Torschütze war Frederick Fiebig, der von der rechten Strafraumecke per Flachschutz im langen Eck einnetzte (6.). Artur Sajfutdinov hatte dann zwei Minuten später den nächsten Treffer auf dem Fuße. Doch in der Vorbereitung dazu, als er versuchte in eine noch bessere Position zu kommen, verhaspelte er sich etwas und sein Schuss ging dann doch recht eindeutig am Gästekasten vorbei. Ein Einwurf und einer daraus folgenden Flanke in den Fünfer der Hausherren brachte den Ausgleich zum Tragen. Christopher Groll, als Kopfball-Torschütze wird sich schon etwas gewundert haben, dass er so frei zwischen zwei Abwehrspielern zum Abschluss kam (10.). Wenn die Begegnung nicht auf Kunstrasen stattgefunden hätte, wäre das oft zitierte „Grasfressen“ viel passender gewesen. Gerade im Mittelfeld wurde kein Zentimeter preisgegeben. Beide Mannschaften lebten dabei vom Teamgeist und bewiesen in vielen Aktionen, dass im modernen Fußball, neben der Qualität auch diese Tugend extrem an Gewicht gewonnen hat. Ein langer Ball in der 23. Minute bereitete dann die erneute Führung der Hausherren vor. Die Kugel, welche an der Strafraumkante aufsetzte und im Handling damit die TuS-Abwehr schlecht aussehen ließ, brachte Maximilian Walter in die Position mit einen Heber Sachenhausens Keeper Nick Schrobback viel umjubelt zu überwinden. Obwohl die Begegnung in der Folge nur noch ein paar Halbchancen in der Präsentation hatte, blieb das Niveau weiterhin im oberen Level. Von TuS-Torgarant Andor Müller war nicht viel sehen, der zwar viel versuchte, aber im ersten Durchgang recht glücklos agierte. Ein Gästekopfball, den Bernaus Sam-Rene Bartz auf der Linie stehend in letzter Konsequenz entschärfte, beendete dann die erste Halbzeit (47.).

Mit dem Wiederanpfiff setzte das „Spektakel“ dort an, wo es vor dem Pausentee aufgehört hatte. Nur gab es jetzt einen kleinen, aber nicht unwichtigen Unterschied. Denn Sachsenhausen legte noch eine Schippe drauf und drängte Einheit mehr und mehr in die Defensivarbeit. Eine etwas unübersichtliche Zweikampfaktion im Bernauer Strafraum, welche in einem Foulspiel mündete, brachte den Referee auf den Plan, der mit guter Sicht zum Geschehen ohne Umschweif auf den Strafstoßpunkt zeigte. Andor Müller hatte sich den Ball zurechtgelegt und halbhoch Richtung rechten Pfosten geschossen. Steve Jarling roch den Braten und war zur Stelle, um das Spielgerät zur Ecke abzuwehren (53.). Doch der gut aufgelegte Jarling konnte schlussendlich den nun verdienten Ausgleich in der 60. Minute nicht mehr verhindern. Andor Müller, mit dem Rücken zum Tor, legte ein Zuspiel per Kopf auf Denis Duraku zurück, der seinerseits nicht lange fackelte und direkt abzog. Der Tor-Jubel kannte keine Grenzen und zeigte, welcher Druck in dieser Spitzenbegegnung lag. TuS blieb weiter am Drücker und war der eigenen Führung näher als der bis dato Tabellenführer. Doch ausgerechnet Maximilian Walter, der wegen einer Verletzung schon fast ausgewechselt worden wäre und darum gebeten hatte, es noch einmal zu versuchen, erzielte per Konter-Solo die erneute Heimführung (70.). Der Nackenschlag für Sachsenhausen blieb aber ohne Wirkung und trieb das Team weiter in den Vorwärtsgang. Dabei wurde Steve Jarling in einigen Situationen zum „Festhalter“ der knappen Führung, als er mit guten Paraden glänzen konnte. Intensive Minuten, in denen Bernau mit großer Leidenschaft verteidigte und kaum noch in die Entlastung kam, bestimmten die Schlussphase. Schiedsrichter Hornig zeigte fünf Finger für die Nachspielzeit, in der es noch einmal sehr hektisch und vor allem hoch emotional wurde. Denn sein Strafstoßpfiff in der 93. Minute, wegen eines aus seiner Sicht vermeintlichen Handspiels, Julian Graf hatte den Ball aus Nahdistanz an die Hand bekommen, löste große Diskussionen aus. Einheits Trainer, Nico Thomaschweski, eigentlich bekannt als recht nüchtern und ruhig agierender Übungsleiter, konnte sich kaum noch im Zaum halten. Hornig verwarnte ihn und ließ den Elfmeter ausführen. Dominic Schöps übernahm die Verantwortung und machte mit dem unhaltbaren Treffer seine Kollegen und den Anhang überaus glücklich. Nur Tomaschewski konnte und ließ sich nicht beruhigen. Sein emotionales Statement nach Spielende mit dem Referee quittierte Hornig mit Gelb/Rot, was den Trainer wohl im nächsten Spiel in Falkensee zum Zuschauen zwingen wird. Meinungsbilder nach Spielende waren kaum einzuholen. Nur Bernaus Kapitän, Tom Schneider, der emotional stark gescholten folgende Worte fand. „Wenn Du in letzter Minute solch einen Elfmeter kassierst, ist das natürlich sehr ärgerlich. Unsere kämpferische Leistung war heute super, wir haben unsere Chancen konsequent genutzt. Das zerrt schon sehr an einem.“

Bernau: Steve Jarling – Julian Graf, Paul Peschke (86. Viacheslav Veybert), Fritz Söllner, Maximilian Walter (86. Felix Glöckner), Frederick Fiebig (57. Mario Farruku), Tom Stedtler (66. Alexander Braun), Sam-Rene Bartz, Florian Klose, Tom Schneider, Artur Sajfutdinov (57. Dennis Kamin)

Sachsenhausen: Nick Schrobback – Paul Jesse, Andor Müller, Justin Pehl (83. Tom Siegler), Christopher Groll (75. Dominic Schöpps), Edgar Kordecki, Janko Magino, Leon Weigt, Danilo Pressmann (86. Erik Beutke), Martin Pilz, Denis Duraku

Schiedsrichter: Sebastian Hornig (Berlin) – In einer sehr fairen Partie lange ein souveräner Leiter, wurde aber leider durch seine Elfmeter-Entscheidung in den unrühmlichen Diskussions-Strudel rund um die Auslegung des Handspiels gezogen.

Zuschauer: 151 (viel zu wenig für solch ein tolles Fußballspiel!)

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