LANDESKLASSE NORD, 16. Spieltag, 1. FV Eintracht Wandlitz – FSV Fortuna Britz 90 4:4

Aufregende Zeiten bestimmen auch den Fußball. Neben dem Kriegstreiben in der Ukraine, welches schon etwas Bedrohliches und Beängstigendes hat, ist auch immer noch Corona präsent. Während in Wandlitz das ruhige Fahrwasser den Fußball-Alltag zu bestimmen scheint, kommt man in Britz nicht so wirklich zur Ruhe. Neben der akuten Präsenz des Abstiegsgespenstes tut sich nun überraschend vor allem für die Nichtinsider der Materie der kurzfristige Abgang des vor kurzem verpflichteten Übungsleiters Bernhard Roth mit großen Fragezeichen auf. Erklärungen dazu wird man sicherlich in den nächsten Tagen auf allen bekannten Kanälen finden. Realität war nun, dass Oliver Tousaint die interimsmäßige Verantwortung der Fortunen für die Partie in Wandlitz übernahm und dabei sicherlich in der Spielvorbereitung an die Mentalität seiner Spieler appellierte, sich nicht zum Gespött auf dem Wandlitzer Kunstrasenplatz und auch der Liga machen zu lassen.

Bei bestem Fußballwetter stellte sich schon die Frage, wie der akute Abstiegskandidat aus Britz die vom Verein begünstigte Trennung vom Trainer verkraften und wie Wandlitz mit der Niederlage unter der Woche in Zepernick, wo man auch viel Lob für die gezeigte Leistung vernehmen konnte, umgehen würde. Paul Roller hatte nebenbei beim Warmmachen schon mal kundgetan, dass ihm die Partie vom Mittwoch noch in den Knochen steckte. Es war eine komische Begegnung, in der Wandlitz lange auf der Suche war die Favoritenrolle auszufüllen und irgendwie nur selten in die Überzeugung fand. Und daran waren auch die Gäste nicht unschuldig, denn gerade im ersten Durchgang wirkte die Truppe viel griffiger und vor allem entschlossener. Allein der erste Abschluss nach einer Minute durch Tim Marvin Mengel, dessen Geschoß noch hängenblieb und zum Eckball im Aus landete, und der folgenden Ecke, bei der Eintracht Keeper Florian Schweitzer seine liebe Mühe hatte die Kugel unter Kontrolle zu bringen, offenbarte schon wohin die Reise für Fortuna gehen könnte. Als dann Marc Seifert, der zusätzlich noch Defizite im Sprintvermögen der Hausherrenverteidigung offenlegte, nach präzisem Anspiel allein vor Schweitzer auftauchte und sehr abgebrüht zum 0:1 einschob, bekamen die Züge in den Gesichtern der Eintracht Verantwortlichen schon eine gewisse Längsdehnung (7.). Die Fehlerquote im schwerfälligen Aufbauspiel und besonders das Statische im Umgang mit Ball und Gegner, machten es Britz wirklich leicht zu verteidigen und im Gegenzug schnell offensiv gefährlich zu werden. Marc Seifert, nebenbei auch noch mit einer gewissen Zweikampfaggressivität ausgestattet, markierte nach vierundzwanzig Minuten das nüchterne 0:2. Den zu ihm durchgesteckten Ball brachte er wieder sehr kaltschnäuzig im Wandlitzer Kasten unter. Wandlitz war eigentlich nicht chancenlos und hatte durch Paul Roller und Marcel Petrahn auch Möglichkeiten. Denen fehlten aber die Eigenschaften von Seifert und auch etwas das Glück. Eintracht Kapitän Dennis Plaumanns laustarke Analyse so gut nach dreißig Minuten „Wir treffen einfach viel zu viele falsche Entscheidungen.“, traf den Nagel absolut auf den Kopf. Und ehe man sich versah, lag das Spielgerät schon wieder im Netz der Heimtruppe. Darren Kaßner hatte nach einem Ballverlust der Gegnerschaft an der Mittellinie genau Maß genommen, als er sah das Schweitzer sehr weit vor seinen Gehäuse Stellung bezogen hatte. Der lange Ball überraschte den jungen Keeper, der seinerseits recht hilflos zuschauen musste, wie der Ball zum Pausenstand von 0:3 hinter ihm einschlug (39.). Die Nerven lagen nun blank und offenbarten nebenbei auch abhandengekommene Regelkenntnisse. Ein Beispiel: Referee Bernd Marggraf wurde angeschossen und unterbrach regelkonform das Spiel. Britz wollte schnell spielen und setzte per Freistoß die Begegnung fort. Marggraf unterbrach nun nochmal und musste von beiden Seiten schon sehr aufgeheizte Verbalattacken über sich ergehen lassen. Schlussendlich, nach Aufklärung und der Fortsetzung durch Schiedsrichterball für die Gäste beruhigten sich die Gemüter wieder.

Zum Wiederanpfiff hatte gerade die Wandlitzer Fangemeinde schon Hoffnung auf eine Reaktion für den doch schon sehr durchwachsen Auftritt der eigenen Truppe gehegt. So richtig bekam die Zuversicht aber keine Nahrung. Zwar wurde die Ballbesitzquote auf fast achtzig Prozent hochgeschraubt und Britz mehr und mehr in die eigene Hälfte gedrängt, aber richtig zwingend wurde es nur selten. Stattdessen startete Marc Seifert in der 63. Minute einen Sprint und markierte am Ende ganz überlegt das 0:4. Wandlitz reagierte und brachte mit Pascal Sorgatz, der aus einer längeren Auszeit kam, den Mann, der noch einmal Aufbruchsstimmung verbreitete. Paul Roller rückte nun immer mehr in den Focus, prüfte innerhalb weniger Minuten zweimal per Kopf den überragend reagierenden Britzer Torsteher Hendrik Tubandt, ehe im dritten Versuch Steffen Philipp Hennig zur Stelle war und das 1:4 markierte (77.). Britz, nun sichtbar das Limit des Kräftehaushalts überschritten, wurde in der Schlussviertelstunde zum Leiden verdammt. Paul Roller erzielte dann das 2:4 per Kopf nach Flanke von der rechten Seite und packte damit seine Kollegen noch einmal am moralischen und auch emotionalen Schopfe (83.). Fortuna versuchte sich zu wehren und rutschte dabei auch in die emotionale Schiene. Diskussionen, viele Nicklichkeiten, auch neben dem Feld, zwangen Schiedsrichter Bernd Marggraf zum Handeln, was auch die Zahl der konsequenten Verwarnungen in der Schlussphase untermauerte. Die Nachspielzeit war noch nicht angezeigt, da lag der Ball schon wieder im Britzer Tor. Tim Franken hatte ein Eigentor erzielt, was auf den ersten Blick aus dem Gewühl heraus nicht erkennbar war, weil sich Paul Roller schlussendlich feiern ließ (90.). Die Begegnung kochte, fünf Minuten Nachspielzeit wurden angezeigt. Britz schwächte sich in der 91. Minute noch zusätzlich, weil Erik Klein schon Gelb belastet, nicht seinen Mund halten konnte. So kam es, wie es kommen musste. Paul Roller wurde zum vielumjubelten Matchwinner, als er in der 94. Minute wiederum per Kopf am richtigen Ort zum Abschluss kam und den völlig unerwarteten Ausgleich zum Endstand aufs Spielformular brachte.

Matthias Händler, der Wandlitzer Trainer, fand im Anschluss der Partie folgende Worte. „Ich hatte ehrlich gesagt, nicht mehr daran geglaubt, dass wir überhaupt noch ein Tor schießen. Wir hatten zwar viel Ballbesitz, waren aber bis zu unserem Dosenöffner kaum präsent. Im Endeffekt bin ich froh über den Punktgewinn.“     

Wandlitz: Florian Schweitzer – Florian Heyne (56. Felix Arndt), Steffen Philipp Hennig, Robin Schittenhelm, Marcel Petrahn, Dennis Plaumann (89. Tilo Navarzala), Roman Schmidt, Paul Roller, Florian Liebig (65. Pascal Sorgatz), Manuel Thomas, Jan Großer

Britz: Hendrik Tubandt – Maxime Gertz, Mattis Preuß, Maximilian Roch, Erik Klein, Darren Kaßner (67. k.A. Nr. 12), Dwayn Kaßner (46. Max Wörpel), Paul Halgato-Jung, Marc Seifert, Tim Marvin Engel, Tim Franken

Schiedsrichter: Bernd Marggraf (Routine und Erfahrung verhelfen nicht immer zu einer soliden Leistung, welche es in dieser Partie leider nicht war.)

SRA 1: Matti Jonas Reich

SRA 2: Niklas Peter Martitz

Zuschauer: 80

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