LANDESLIGA NORD, 16. Spieltag, SV 1908 „GRÜN-WEISS“ Ahrensfelde – SV Grün-Weiss Brieselang 8:0

Sechszehn Gegentore an zwei darauffolgenden Samstagen, dies könnte man schon als „Debakel-Woche“ bezeichnen. Denn genau, wie in der Vorwoche unterliegt Grün-Weiss Brieselang mit acht Gegentreffern bei keinem eigenen Torerfolg und muss sich schon hinterfragen, trotz des Trainerwechsels, ob man überhaupt noch einmal in die Spur finden wird. „Es ist schon sehr ärgerlich, weil wir uns ganz was anderes vorgenommen haben. Und wenn man die Spielanteile und dazu unsere individuellen Fehler sieht, dann passt das schon vom Ergebnis her“, fasste Gäste Neu/Alt-Trainer Patrick Schlüter das Erlebte schon sehr auf den Punkt gebracht zusammen. Zumal die Abstiegsregion zum Greifen nahe ist und man sich definitiv nicht darauf verlassen kann, dass mit Perleberg und Wittstock die Absteiger schon feststehen. Grün-Weiss Ahrensfelde hingegen zieht tabellarisch weiter seine Kreise mit Blick vom Platz an der Sonne und hat nach diesem Kantersieg nun auch im Torverhältnis die Nase weit vorn.

Die Partie hatte gerade dreißig Sekunden im Zählwerk hinter sich gebracht, da jubelte die Heimtruppe zum ersten Mal nach einem Treffer durch Dominic Gesierich. Doch das Schiri-Team unter der Leitung von Elisa Schicketanz konnte das Tor aus deren Sicht nicht geben, da man wohl in der Entstehung eine Abseitsposition erkannt hatte. Doch diese und in der Folge auch andere Situationen offenbarten eine Brieselanger Mannschaft, die extrem verunsichert daherkam und gerade im Abwehrverbund, um den ebenfalls nicht immer sattelfest reagierenden Torsteher Lars Hahne, den Spitzenreiter förmlich dazu einlud, die Partie frühzeitig auf die Siegerstraße zu bringen. Doch Ahrensfelde wusste mit diesem Umstand oft nicht umzugehen. Gerade die Anfangsminuten machten Hoffnung und erweckten den Eindruck darauf, dass die Gäste förmlich an die Wand gespielt werden könnten. Doch die Hoffnung wurde zum Geduldsspiel, welches eigentlich nicht nötig gewesen wäre, wenn das Quergespiele vor der Mittelline den Spielfluss nicht so gelähmt und man mit guten Ideen mehr Geschwindigkeit in die Angriffsaktionen bekommen hätte. So musste für das 1:0 ein Freistoß aus dem rechten Halbfeld herhalten, den Blenard Colaki mit viel Freiheit per Kopf im Netz unterbrachte (15.). Die Fehlerquote der Gäste blieb weiterhin hoch, doch für die Barnimer der Nutzen weiterhin recht überschaubar. Auch der lautstarke Ruf nach mehr Tempo durch Heimtrainer Sven Orbanke verhalte bis auf wenige Ausnahmen im weiten Rund. Paul Berger, Julian Hentschel und Dominic Gesierich waren die Ahrensfelder Probanden, welche am weiteren Torerfolg kratzten. Gesierich war es dann, der nach guter Vorarbeit durch Flachpassgeber Tilo Scheffler, vollkommen blank im Fünfmeterraum einnetzte (31.). Nur zwei Minuten später belohnte sich Scheffler für seinen bis dato kuragierten Auftritt mit dem 3:0. Ein langer Einwurf durch Mannschaftskapitän Robin Mansfeld landete beim Torschützen, der seinerseits nicht lange fackelte und die erste richtige Jubelarie einleitete. Die Begegnung war nun entschieden und so ein wenig roch das Ganze schon nach einem wiederholten Gästedebakel. Im Endeffekt zeigte sich die Heimmannschaft schon sehr effektiv, da man sich im ersten Durchgang bei sechs sehr guten Möglichkeiten sich mit einen drei-Tore-Vorsprung in die Kabine verabschiedete.

Kurz nach Wiederanpfiff nahm der Niedergang der Brieselanger seinen weiteren Lauf. Das 4:0 entstand aus einer Ecke von der linken Seite. Das „vereinsinterne Kopfball-Duell im Kampf um den Ball“, in dem sich die Gästeabwehr wiederholt sehr schluderig präsentierte und auch Keeper Hahne sehr stümperhaft anstellte, gewann Nick Meißner, der die Kugel schlussendlich über die Linie drückte (47.). Die Leidenszeit der Gäste war nun im vollen Gange. Und man muss wirklich konstatieren, dass sich die Brieselanger Mannschaft in dieser Phase nicht mehr als ligatauglich präsentierte. Wieder war es ein Eckball von der linken Seite, der nur 120 Sekunden später die nächste Bude des Staffelfavoriten vorbereitete. Meißner konnte diesmal allein hochsteigen, dabei wieder seine Stirn benutzen und den leider sehr überfordert wirkenden Hahne zum 5:0 überwinden (52.). Ahrensfelde hatte weiter Bock und hielt den Druck weiter oben. Patrick Hamel trug sich dann mit feiner Vorarbeit ebenfalls in die „Assists-Liste“ ein. Gesierich wurde zum zweiten Mal der Abnehmer und auch zum Verwerter, in dem er das Spielgerät unhaltbar unter die Latte nagelte (54.). Lucas Nico Gurklys machte dann das nächste Tor. Erst hatte Patrick Hamel Gäste-Keeper Hahne, der toll reagierte, von der linken Fünfmeterraumspitze geprüft, dann probierte es Gurklys von der rechten Seite aus spitzem Winkel und konnte sich schlussendlich darüber freuen von Stadionsprecher Bernd Hundrieser als Torschütze verkündet zu werden (65.). Den Schlusspunkt im Ahrensfelder Torreigen setzte Winterneuzugang Jeffrey Papendick. Er wurde Nutznießer der Uneigennützigkeit von Lucas Nico Gurklys, der schon hätte abschließen können, aber dann doch zum Torschützen querpasste (77.). Erwähnt muss unbedingt noch werden, dass Gurklys (68.) und Meißner (80.) noch jeweils einen Lattentreffer für sich verbuchen konnten. Brieselang hatte sich seinem Schicksal ergeben und übte dabei schon etwas im Galgenhumor. Besonders die eindringliche Bitte durch Mannschaftskapitän Alexander Greinert an die Schiedsrichterin, keine Nachspielzeit anzusetzen, vermittelte ebenfalls eine vorherrschende Resignation. Schicketanz hatte dann ein Einsehen und eventuell auch ein wenig Mitleid und pfiff die Partie nach genau neunzig Minuten ab.

Patrick Schlüter zeigte sich im Nachgespräch mit Gedanken in die Zukunft nicht ganz so resignierend. „Wir werden in den nächsten Wochen versuchen neue Trainingsreize zu setzen, um über Spaß und Leidenschaft zurückzukommen. Wir müssen es auch unbedingt schaffen einen besseren körperlichen Zustand hinzubekommen, denn es kann eigentlich nicht sein, dass wir keine Kondition für neunzig Minuten haben.“

Robin Mannsfeld, der Mannschaftskapitän der Ahrensfelder, war in seiner Analyse schon stolz auf das Erreichte. „Gerade nach der letzten Woche mit dem klaren Sieg in Premnitz, wollte wir heute daran anknüpfen. Ich denke das ist uns sehr gut gelungen. Dass der Gegner angeschlagen war, hat uns nicht interessiert. Wir haben ein klares Ziel und dafür geben wir alles, um dies zu erreichen.“ Der Diskussion und dem Thema im Fanlager nach dem Fehlen eines Knipsers entgegnete er wie folgt. „Ich sehe das nicht so. Sicherlich haben wir nicht den Knipser vornedrin, aber wir haben viele gute Offensivleute, die sehr gut harmonieren, die fußballerisch super sind, die sich die Bälle auflegen und dann die Tore machen können. Wenn das so ist, ist mir das auch recht. Ich finde das gut, wenn es dann auf viele Torschützen verteilt ist.“

Ahrensfelde: Mateusz Daniel Mika – Nick Meißner, Dominic Gesierich (60. Steven Knörnschild), Julian Hentschel, Blenard Colaki, Tilo Scheffler (66. Jeffrey Papendick), Patrick Hamel (74. Maximilian Hecker), Paul Berger (60. Sebastian Simon), Robin Mannsfeld, Justin Lauterbach (46. Hagen Opitz), Luca Nico Gurklys  

Brieselang: Lars Hahne – Patrick Podrygala, Jess Gastene (69. Dennis Blumhagen), Tom Hilgenfeld, Fabian Mausolf, Christopher Fuchs (76. Daniel Malak), Enrico Malak, Leon Schrobsdorff, Alexander Greinert (63. Jan Philipp Bäcker), Tom-Melvin Schmidt, Ben Buadu

Schiedsrichter: Elisa Schicketanz (Solide Leistung in einer fairen Partie. Frauen haben es immer noch schwer in der Männer-Domäne „Fußball“. Was der Schiedsrichterin guttun und den Umgang mit den Spielern vereinfachen würde, ist ganz einfach die Verbesserung der Körpersprache beim „Verkaufen“ von Entscheidungen.)

SRA: Tobias Behm, Jonas Marx

Zuschauer: 175

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s