1. KREISKLASSE OST, 18. Spieltag, SV Blau-Weiß Ladeburg – SV 1969 Melchow/Grüntal 3:4

Es war angerichtet in Ladeburg. Zum Ersten konnte die Sportanlage nach den Sturmschäden durch die anfänglichen Instandsetzungs- und Gebäudesicherungsmaßnahmen wieder in Betrieb genommen werden. Zum Zweiten hatte die Partie der beiden Tabellennachbarn einen Hauch von einem Spitzenspiel, weil, obwohl der Tabellenführer die Preussen-Reserve aus Eberswalde schon davongeeilt ist, man den Vizemeister-Titel anvisiert, der wohl auch noch den Aufstieg bedeuten könnte. Hinzu kamen auch die Revanche-Gedanken der Melchow/Grüntaler aus dem Hinspiel, welches man mit 0:4 an die Ladeburger herschenkte.

Bei bestem Fußballwetter bekamen die 57 Zuschauer gerade im ersten Durchgang feinste Kreisklassen-Fußballkost geboten. Dabei schlugen die Ladeburger zwar die qualitativ bessere Klinge, mussten aber auch mit der Erkenntnis leben, dass man damit in dieser Begegnung keine Versicherung auf Torerfolge abgeschlossen hatte. Trotzdem konnte Blau-Weiß nach drei Minuten mit dem 1:0 vorlegen. Benjamin Jonas seine Fuß-Attacke kurz hinter der Strafraumline an Tobias Schmidt bewertete Schiedsrichter Patrick Pascal Zim nach kurzem Innehalten als Foulspiel und zeigte ohne Umschweife auf den Elfmeterpunkt. Eine knifflige Entscheidung, die für Aufregung sorgte, aber schlussendlich nachvollziehbar war, weil der Referee eine gute Sicht und nur drei Meter vom Tatort entfernt Position bezogen hatte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Philipp Noack ohne Probleme und in unhaltbarer Natur (3.). Es war ein Spiel auf Augenhöhe, in der nicht nur das Mittelfeld beackert wurde, sondern auch Chancen kreiert wurden. Die nächste Möglichkeit für die Hausherren hatte Christopher Knoll auf den Schlappen, als er einen Diagonalball mutig volley nahm, den Ball aber nicht richtig traf und verzog. (7.). Die Gäste, welche vornehmlich mit langen Bällen operierten, kamen in der 8. Minute eher zufällig zur ersten Möglichkeit. Dabei stand der Ladeburger Keeper Florian Tietz im Mittelpunkt, weil er eine Rückgabe auf ihn, dann zur Spieleröffnung, versemmelte und die Kugel Raik Brauner direkt in die Füße spielte. Der nutzte seine Möglichkeit und stellte damit den Ausgleich her. Das Spiel hatte nun alles, was man sich so erhoffen konnte. Leidenschaft, Rasse, Mut zum Risiko und Spannung, ein Paket, welches den geliebten Fußball so ausmacht. Als dann der Ball zum zweiten Mal im Netz der Hausherren zappelte und die Doppel-Dörfler das Spiel nach dreizehn Minuten gedreht hatten, war der verdiente Jubel schon riesengroß. Mit dem praktizierten „Caro einfach“, ein langer Ball auf Richard Stegmann, der sich dann auf der linken Seite zur Grundlinie durchtankte und das Spielgerät flach zurücklegte, war der Treffer vorbereitet. Für Ladeburg bekam das Tor einen mit Pech behafteten Ansatz, weil Justin Weiss zum Eigentorschützen wurde. Blau-Weiß schien ein wenig angeknockt und hatte in dieser Phase schon Probleme, das eigene Spiel aufzuziehen. Trotzdem gab es die eine Möglichkeit, die definitiv auch als hundertprozentig betitelt werden durfte. Christopher Knoll war derjenige, der per flacher Eingabe bedient wurde und alle Möglichkeiten hatte, einzunetzen. Doch versagten ihm irgendwie die Nerven, als er den Ball mit schwachem Schuss neben den Kasten setzte (15.). Richtig bitter für die Hausherren wurde es dann in der 20. Minute. Raik Brauner schlug wieder zu und wurde so zum Doppelpacker. Dabei war die Entstehung fast dem 1:1 identisch, nur das diesmal der Angriff über die rechte aufgezogen wurde. Der Nackenschlag zeigte nur kurz Wirkung, denn mit dem Anschlusstreffer, erzielt durch Christopher Knoll, war der Spannungsbogen wieder hergestellt. Ein durchgesteckter Ball auf Knoll, der sich schon etwas abseitsverdächtig freigelaufen hatte und auch gleich abzog, konnte noch von Kevin Schulze im Tor der Gäste berührt werden, aber nicht verhindern, dass es hinter ihm einschlug (25.). Wer nun gehofft hatte, dass Blau-Weiß die etwas verschlafene Anfangszeit hinter sich gelassen und den Hebel Richtung Ausgleich umgelegt hatte, sah sich leider getäuscht. Denn in der Folge flachte die Partie merklich ab. Melchow/Grüntal hatte die Konterbemühungen kräfteschonend runtergeschraubt und der Heimelf schon ein wenig die Spielkontrolle überlassen. Ladeburg machte daraus viel zu wenig. Bei aller qualitativen Überlegenheit offenbarte sich auch ein Hang zur Lässigkeit, welche im Zusammenspiel unter den Kollegen mit der Ballweitergabe per Hacke zwar funktionierte, aber in der Folge und bei allem Aufwand dem man sonst noch so betrieb, kaum Raumgewinn erzeugte. Und da waren ja auch noch die kampfstarken Gäste, die den Hauptaktionsradius zwischen die Strafräume verlegten.

Zum Wiederanpfiff änderte sich das Bild kaum. Strafraumszenen wurde zur Mangelware, die Intensität im Mittelfeld-Kampfmodus nahm noch mehr zu und brachte den jungen Referee immer mehr in den Mittelpunkt. Der machte aber auch den Fehler, dass er nicht konsequent reagierte und auch viel zu viel laufen ließ. Sporadische Halbchancen, wie dem Geschoß von Marvin Heer, der einen abgewehrten Ball Richtung Ladeburger Kasten abgelassen und dann Pech hatte, dass ein Blau-Weißer Fuß dazwischenkam, bestimmten weitestgehend das Geschehen (50.). Ladeburg hingegen setzte sich zunehmend vor dem Gästestrafraum fest, suchte aber weiterhin nach Ideen, um den Aufwand in Zählbares umzumünzen. So kam es schlussendlich, wie es kommen musste. Einer der seltenen Gästekonter über die linke Seite brachte das für die Hausherren ernüchternde 2:4. Dominik Georgi war im Strafraum der Abnehmer der flachen Eingabe und spitzelte im Zweikampf den Ball Richtung Tor, bei dem Ladeburgs Keeper Tietz recht unglücklich agierte und nur noch zu schauen konnte, wie das Spielgerät im Netz zappelte. Blau-Weiß versuchte alles und stand sich dabei oft selber im Wege. Da half auch nicht der Foulelfmeter, den wiederum Philipp Noack unhaltbar versenkte und damit spannende Schlussminuten einleitete (87.). Am Ende fehlte auch den Hausherren die Kraft und Konzentration, um wenigstens einen Punktgewinn mitzunehmen.

Gäste-Trainer Benjamin Jonas, der selber 98 Minuten in den Beinen hatte, war schon glücklich über das Erreichte. „Mit einer recht deformierten Mannschaft durch Verletzung, Corona und arbeitsbedingten Ausfälle haben wir heute gekämpft bis zum Umfallen. Ich bin sehr glücklich über den Ausgang. Wir waren sehr effizient. Trotzdem ist es mir unverständlich, dass man zu einem solchem Spitzenspiel so einen jungen und unerfahren Schiedsrichter geschickt hat. Den Elfmeter zum 1:0 darf man nicht geben.“ Sein Gegenüber, Heimtrainer Tommy Benndorf, war natürlich schon enttäuscht. „Leider haben wir das nicht umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir wussten, dass der Gegner mit langen Bällen operiert, welche wir gerade in der Anfangsphase nicht unterbunden haben. Offensiv haben wir einfach das Problem, dass wir großen Aufwand betreiben und schlussendlich im letzten Drittel die falschen Räume belaufen. Wir spielen bis zum Strafraum sehr ansehnlich, treffen dann aber die falschen Entscheidungen. Unser Ziel bleibt aber weiterhin der Aufstieg, auch wenn es nur über den Zweitplatzierten gehen wird.“     

Ladeburg: Florian Tietz – Diego Dziemballa, Justin Weiß, Alexander Berth, Philipp Noack, Christopher Knoll (72. Dennis Richter), Robin Lehmann (46. Zisis Tzimoulis), Eduardo Ermelinda Duce, Tobias Schmidt, Pascal Lutze, Romano Fieting

Melchow/Grüntal: Kevin Schulze – Marvin Heer, Robert Pittorf, Benamin Jonas, David Beier, Marcel Fricke, Richard Stegmann, Doninik Georgi, Mario Römmert, Alexander Mlynek, Raik Brauner

Schiedsrichter: Patrick Pascal Zim (Im ersten Durchgang noch relativ souverän unterwegs, baute er mit zunehmender Dauer in der Entscheidungsfindung und der daraus resultierenden Maßnahmen immer mehr ab. Ihm fehlte leider auch der Mut, den ein oder anderen fälligen Strafstoß zu verhängen.)

Zuschauer: 57

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