KREISOBERLIGA OHV/BAR, 22. Spieltag, BSV Rot-Weiß Schönow – SG Blau-Weiß 1948 Leegebruch 2:2

Spitzenspiel in Schönow, Zweiter gegen den Dritten, was möchte man mehr. Und dass Leegebruch dem anderen Staffelfavoriten aus Sachsenhausen in der Vorwoche das Handwerk gelegt hatte, machte die Sache noch schmackhafter. Allein schon die „Gutes Spiel“-Wünsche unter den Trainern vor dem Spiel konnten einem ein Schmunzeln abgewinnen. Da hatte sich Schonöws Coach Daniel Dornbruch beim Gäste-Übungsleiter Kevin Schulz brav für die Schützenhilfe bedankt und musste im Gegenzug die nicht unerwartete Retoure vernehmen, dass man nach Spielende schauen müsste, ob dies dann so noch Bestand hätte. Zwischen den Zeilen war schon zu hören, dass Leegebruchs Schützenhilfe in Schönow das vorläufige Ende gefunden hatte.

Es knisterte auf dem gut präparierten Rasen. Das Schönower Einschwören im Kreis wurde mit lautem Gebärden beendet, ehe es dann zum Anstoß ging. Intensität, Leidenschaft, Wille und Emotionen waren die Attribute, welcher der Partie den Stempel aufdrücken und das Ganze zum wirklichen Spitzenspiel machten. Dabei zeigte Rot-Weiß in der Anfangsphase die größeren Krallen und hatte mit der Mehrzahl an gewonnen Zweikämpfen so ein wenig die Oberhand im Mittelfeld übernommen. Mit der ersten Ecke für die Hausherren, aus der der Ball nach einem Kopfballduell ans linke Lattenkreuz prallte, war zumindest die Hoffnung gegeben, dass Tormöglichkeiten von dieser Qualität noch mehr auf die Tagesordnung hätten kommen können (4.). Doch leider kam es auf Schönower Seite nicht so. Leegebruch hingegen wirkte in der Anzahl der Abschlüsse etwas lebhafter, doch mehr als ein paar halbe Möglichkeiten sprangen dabei nicht heraus. Das Spiel war extrem intensiv, zwischen den Strafräumen wurde förmlich Gras gefressen, kein Halm preisgegeben und trotzdem fair miteinander umgegangen. Ein Konter in der 16. Minute, den Blau-Weiß über die linke Seite einleitete und daraus eine flache Eingabe in den Strafraum produzierte, wäre für Tim Matzat, wenn er den Ball richtig getroffen hätte, eine gute Möglichkeit gewesen. So musste sich Heimkeeper Hubertus Zschorlich nicht groß anstrengen, um die Kugel wegzufangen. Zur Mitte der Halbzeit kippte das Verhältnis der gewonnen Zweikämpfe in Gästerichtung, die nun ihrerseits ein wenig mehr Offensivkraft entwickeln konnten. Doch wie auch bei den Schönowern fehlte schlussendlich das Zählbare. Zwei Freistöße aus dem Linken Halbfeld, wo nicht ganz klar wurde, welche Absichten dahintersteckten, war die einzig zu erwähnenden Abschlüsse der Hausherren Richtung Halbzeitpfiff. Die Gäste hingegen blieben da durchaus gefährlicher. Nick Matzat bekam die Kugel nach einigem Hin und Her im Schönower Strafraum im Rückraum serviert, zog gleich ab und zwang Zschorlich schon mal sich etwas mehr in die Streckung zu begeben (28.). Als sich dann alle schon auf eine torlose Halbzeit eingestellt hatten, bekam Marcus Croonenbrock nach einem Einwurf mit mehreren Zwischenberührungen und Anspielversuchen den Ball aufgelegt. Sein verdeckter Schuss aus achtzehn Metern ließ alle Schönower Dämme brechen, nach dem das Spielgerat im rechten unteren Eck eingeschlagen hatte (44.). Da war es wieder, das berühmtberüchtigte psychologische Momentum kurz vor dem Pausentee, dass die einen positiv stimmt und den anderen einen Dämpfer versetzt.

Dass Leegebruch nicht aufgeben würde, hatte sich zum Wiederanpfiff schnell verselbstständigt. Die Intensität hielt den Spannungsbogen weiter am Laufen. Dazu gesellte sich nun auch endlich auf beiden Seiten die erhoffte Torgefahr. So war es wieder Leegebruchs Nick Matzat der zum Laufduell geschickt wurde und im Zweikampf seinen Schuss aus spitzem Winkel knapp neben das Tor setzte (53.). Nur zwei Minuten später war dann Schönow mit einem Konter dran. Tobias Münchberg war der Adressat und hatte etwas Pech als ihm einschussbereit die Kugel von den Töppen gespitzelt wurde. Den richtigen Kanten hatte Emurla Musa auf den Schlappen, als er in freier Position angespielt wurde und das Spielgerät schon recht kläglich neben den Kasten setzte (62.). Auch die Möglichkeit für Rick Roelofs, der in der 65. Minute den Ball durchgesteckt bekam und frei vor Robin Joseph Reschke auftauchte, wäre das 2:0 wert gewesen. Schlussendlich hatte sich Reschke sehr breit gemacht und mit seiner Parade den Einschlag verhindert. So verteilte die Heimtruppe auch Geschenke, die Leegebruch nicht verwerten konnte, wie bei dem Anspiel-Fauxpas durch Paul Paasche, der in der Spieleröffnung dem lauernden Nick Matzat den Ball förmlich vor die Füße legte und dieser im Vorwärtsgang den Angriff dann verhaspelte (67.). So kam es für Schönow nicht ganz überraschend, dass Artur Moge den Ausgleich erzielte. Ein Einwurf mit folgender Flanke auf den langen rechten Pfosten war für Moge maßgeschneidert, der die Kugel annahm und unhaltbar versenkte (72.). Die Partie bewegte sich nun auf Messer Schneide. Der Schock, den die Heimelf in der 83. Minute verdauen musste, riss schon tiefe Wunden. Tim Matzat hatte für seine Leggebrucher das Spiel gedreht und dies in einer sehr kuriosen Situation. Nach dem eigenen Eckball hatte Blau-Weiß ein Schönower Handspiel gesehen, das dann reklamiert und somit auch die Rot-Weißen ein wenig aus dem Spiel genommen. Schiedsrichter Tobias Behm verneinte dies lautstark, so dass Tim Matzat Maßnehmen konnte, den Ball aber nicht richtig traf, der dann trudelnd den Weg ins Tor fand. Schönow war aber nicht gänzlich am Boden und warf noch einmal alles rein. Ein Anspiel in den Strafraum und ein Laufduell bei dem Marcel Wlotzka unsanft zu Fall kam, war dann Anlass für den gut positionierten Referee ohne Umschweife auf den Punkt zu zeigen. Leegebruch eröffnete eine Diskussionsrunde, musste sich aber schlussendlich der Entscheidung beugen. Rot-Weiß Kapitän Dennis Aerts übernahm die Verantwortung und erzielte das nicht unverdiente 2:2.

Mit dem Ergebnis konnte sich Gäste-Coach Kevin Schulz anfreunden. „Am Ende ein leistungsgerechtes Unentschieden. Für mich war das aber niemals ein Elfmeter. Wir haben uns etwas schwer getan ins Spiel zu kommen, dann aber reingearbeitet und es besser gemacht. Das was wir uns dann in der Halbzeit vorgenommen haben, wurde umgesetzt und mit der meiner Meinung nach nicht unverdienten Führung bestätigt. Am Ende können wir aber mit dem Ergebnis leben.“

Tobias Robel brauchte für sein Statement zum Spiel schon ein paar Minuten, um sich zu sammeln. „Der Punkt heute war Gold wert mit Blick auf die Partie hier zu Hause gegen Sachsenhausen. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, in der ich mich schon ein wenig ärgere, dass wir vor dem Ausgleich nicht das 2:0 gemacht haben. Schlussendlich ist das Unentschieden als gerecht zu betrachten. Leegebruch in der heutigen Verfassung war schon eine Hausmarke.“  

Schönow: Hubertus Zschorlich – Marcus Croonenbrock, Rik Roelofs, Maximilian Bachnick (84. Christoph Spitze), Emurla Musa (80. Tim-Lucas Plepp), Dennis Aerts, Tobias Münchberg, Stefan Schulz (25. Justin Aerts), Marcel Wlotzka, Paul Paasche, Pascal Bettge

Leegebruch: Robin Joseph Reschke – Tobias Zahn, Tim Plorin (79. Daven Mohr), Sven Herok, Ben Gottwald, Nick Matzat, Alexander Holzmüller (73. Niklas Kulisch), Robert Dittmer, Tim Matzat, Sascha Schneeweiß (59. Marcel Rudolph), Artur Moge

Schiedsrichter: Tobias Behm (Der Referee tat in einer sehr intensiven Partie genau das Richtige, in dem er immer Ruhe und Souveränität ausstrahlte. Er hatte seine Spielleitung in der Foulspielbewertung offensichtlich recht großzügig angelegt und zog dies auch konsequent durch. Das gefiel nicht immer. Eine Anpassung seiner Bewertungen an die jeweiligen Spielphasen mit dann etwas kleinlicher Auslegung hätte sicherlich dem einen oder anderen nicht unberechtigten Kritikpunkt den Hahn abgedreht und seiner guten Spielleitung noch besser getan.)

SRA: Domenic Albrecht, Nils-Magnus Grimm

Zuschauer: 83

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