KREISPOKAL OHV/BAR, 2. Runde, SpG Biesenthal/Marienwerder – FSV Bernau II 2:4

Die neue Anzeigetafel auf der Tribüne des Sportplatzes Am Heidepark zeigte noch einige Minuten nach Abpfiff einer nicht uninteressanten Partie das Endergebnis, was den Hausherren wohl nicht so richtig schmecken konnte. „Erst einmal bin ich sehr zufrieden, wie sich die Jungs präsentiert haben, besonders nach den zwanzig schlechten Anfangsminuten“, zog SpG-Trainer Thomas Eitner widererwartend eine positive Bilanz und hatte im Endeffekt gegen den eine Klasse höher dotierten Gegner eine kämpferische und auch mutige Truppe gesehen. Sein Gegenüber, Christian Schramm, der vor Jahren die Biesenthaler trainiert hatte und im letzten Jahr auch seinen letzten Koffer als scheidender Trainer im Jugendbereich mit nach Bernau genommen hatte, war sichtlich bedient. Im Auswertungskreis nach Spielende wurde er dermaßen laut und emotional, dass die eine oder andere Aussage im Nachgang der noch anwesenden und zuhörenden Zuschauer und Heimspieler genügend Gesprächsstoff gebildet haben durfte. „Ich weiß wirklich nicht, warum wir nach fünfundzwanzig Minuten das Fußballspielen eingestellt haben. Bis dahin haben wir alles richtig gemacht und einen sehenswerten Auftritt hingelegt“ waren seine ersten Worte. „Wir machen nicht das dritte und vierte Tor und dann wurde man irgendwie den Eindruck nicht los, als hätten die Jungs das Spiel bereits abgehakt“, legte er noch nach.

In dieser genannten Anfangsphase zeigte sich die Heimtruppe extrem nervös, verstolperte die eigenen Angriffsbemühungen, präsentierte sich im Abwehrverhalten recht fehlerhaft und musste in der 5. Minute das Spielgerät zum ersten Mal aus dem eigenen Netz holen. Romano Fieting bekam den Ball sauber aufgelegt, zog kurz hinter der linken Strafraumgrenze ab und ließ mit seinem strammen Geschoss Heimkeeper Paul Sternbeck keine Chance. Keine zwei Minuten später kam auch die Spielgemeinschaft zum ersten Abschluss, den Dennis Sommer nach einer Flanke von der linken Seite und Kopfballverlängerung dann aus spitzem Winkel rechts am Tor vorbei jagte. Die frühe Führung spielte der Landesliga-Reserve natürlich scharf in die Karten. In der Folge brannte es einige Male im Biesenthal/Marienwerder-Strafraum lichterloh. Zu nennen ist die Doppelchance von Piet Dübel, der seine Schuss-Möglichkeit verstolperte und Jan Markhoff, welcher an Sternbeck scheiterte (11.). Aber auch die beiden Chancen durch Anton Ollesch, dessen direkt getretener Freistoß wiederum von Sternbeck entschärft wurde und der Nachschuss von Cedric Himm, welcher schon recht kläglich weit neben dem Tor im Aus landete (15.), hätten eine positive Ergebniskorrektur erzeugen können. Besser machte es dann Max Schulz sechzig Sekunden später. Dieser zeigte sich hellwach als er in einen verhungernden SpG-Pass hinein sprintete, in Stürmermanier sich den Ball zurechtlegte und unhaltbar einnetzte. Von den Hausherren war in dieser Phase offensiv rein gar nichts zu sehen. Bernau offenbarte gerade im Spielverständnis, im Kampf gegen den Ball und in der Qualität einen so nicht zu erwartenden Ligaunterschied. Doch mit zunehmender Dauer verflog dieser positive Nimbus, was die Heimmannschaft immer mehr auf den Plan brachte. Nach gut einer halben Stunde war der Unterschied wettgemacht. Die Gefühlswelt des Bernauer Übungsleiters, inklusive einer Vorahnung, wurde von seinen Jungs hart auf die Probe gestellt. Seine Intuition wurde Realität als Jompe Lischewski aus neunzehn Metern abzog und der Ball sehenswert im Gästekasten einschlug (37.). Bernau wackelte und schaffte es kaum noch in die Entlastung. Die Defensivabteilung fing auch an die Bälle aus der eigenen Hälfte im Sinne von Befreiungsschlägen herauszubolzen und konnte von Glück reden, dass Biesenthal/Marienwerder nur noch zu Halbchancen kam und der Treffer von Kevin Brömer wegen einer Abseitsstellung keine Anerkennung fand (40.).

Zum Wiederanpfiff konnte man schon gespannt sein, was beide Trainer ihren Jungs mit auf dem Wege gegeben hatten und wie es mit der Umsetzung funktionieren sollte. Der FSV übernahm wieder die Regie, schaffte es aber nicht ganz in die Überzeugung zu kommen, wie zu Beginn der Partie. Sporadische, aber gute Möglichkeiten waren vorhanden, um den Sprung in die nächste Pokalrunde endgültig festzuzurren. Für den eingewechselten Denis Kyyan war der Winkel zu spitz (49.) und in der nächsten Situation der angesetzte Kopfball von Cedric Himm zu schwach (52.). Und genau in diese Drangphase schlug die SpG dazwischen und markierte den viel umjubelten Ausgleich. Tomék Brück gewann sein Kopfball-Duell nach einem Eckball und brachte damit der Partie den eigenen erhofften Spannungsbogen (58.). Die Intensität zog nun an, was nun auch zu einer Pokalbegegnung passte. Der berühmte „Tanz auf des Messers Schneide“ war einige Minuten präsent. Doch das Tor, Denis Kyyan war nach mehreren gescheiterten Anläufen erfolgreich, machte für Bernau die Tür zur nächsten Pokalrunde nun ganz weit auf. Der Torschütze war der Abnehmer einer passend getimten Flanke, die er mit allen Freiheiten begünstigt, per Kopfball versenkte (67.). Biesenthal/Marienwerder stemmte sich gegen die Niederlage, doch Richtung Gästekasten konnte die Eitner-Truppe kaum noch Zählbares für sich verbuchen. Der ebenfalls eingewechselte Lucas Cyroll machte dann mit der vierten Bernauer Bude den Sack endgültig zu. Drei Stationen von der Balleroberung bis zur Torerzielung, inklusive Flanke und Torschuss, zeigten einmal mehr, wie einfach Fußball sein kann (86.).

„Wir haben eine sehr junge Truppe. In der Qualität der Mannschaft haben wir in dieser Spielzeit noch einmal zugelegt. Mit der Spielweise in der Rückrunde der letzten Saison war ich sehr zufrieden. Leider sind wir dort noch nicht angekommen. Daran müssen wir arbeiten und in der Liga endlich ein positives Ergebnis anstreben. Dann wird das schon. Ich bin von der Truppe vollends überzeugt“, zeigte sich der Bernauer Coach im Nachgespräch für die kommenden Aufgaben recht zuversichtlich.

„Wenn man mal von der Anfangsphase absieht, hat die Mannschaft alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Mut und Leidenschaft waren definitiv vorhanden. Konditioneller Abbau, wie es vielleicht in der Endphase den Eindruck machte, habe ich nicht wahrnehmen können. Obwohl die Partie reichlich Kraft gekostet hatte“, so das Statement von Thomas Eitner, der irgendwie immer entspannt seine Analysen rüberbringt.           

Biesenthal/Marienwerder: Paul Sternbeck – Dennis Sommer (85. Max Benndorf), Sören Kilian (46. Tomék Brück), Dario Tetzlaff, Kevin Brömer (46. Daniel Schwarz, 52. Jason Chris Jahns), Nick Vollmer, Sven-Olaf Spillmann, Skye Siewke, Jompe Lischewski, Jeremy Siegel

FSV Bernau II: Tibor Laszlo – Niclas Justus Fabian, Jan Markhoff, Maximilian Degen, Piet Dübel (46. Denis Kyyan), Max Schulz (79. Lucas Cyroll), Lucas Schönborn (86. Niels Köpke), Anton Ollesch, Romano Fieting, Florian Gabler (68. Fabian Buckow), Cedric Himm

Schiedsrichter: Benjamin Grüber (In einer fairen Begegnung war der junge Referee, dem ein Schiri-Beobachter zur Seite stand, ein sehr guter Leiter. Selbst die leichten Wackler in der Endphase konnten den soliden Gesamteindruck nicht schmälern. Die „Baustelle“, die sein Assistent Damien Jacobs schon vor dem Spielbeginn aufmachte, als er die Zuschauer aus dem seitlichen Innenraum verbannte, welcher gar nicht existiert, verpuffte gänzlich. Biesenthal gibt nämlich diesen Bereich mit ausreichend Abstand zur Seitenlinie für die Zuschauer frei. Eventuell sollte man die Durchsetzung solcher Maßnahmen zukünftig dem Ordnerdienst überlassen.)

SRA: Damien Jacobs, Nils-Magnus Grimm

Zuschauer: 40

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